Final Fantasy VII Remake - Review

Wie bewertet man ein Spiel, auf das man im Grunde über 20 Jahre lang gewartet hat? Wie geht man um mit überzogenen Erwartungen oder einer immensen Angst vor Enttäuschung? Wer es ganz genau wissen will, schaut sich gern das ausführliche (spoilerfreie) Final Fantasy VII Review auf meinem Blog an – für alle anderen versuche ich kurz zusammenzufassen, ob und wie FF7R es geschafft hat, mein liebstes Videospiel aller Zeiten zu ehren:

 Zur Story:

Final Fantasy VIII Remake Aerith IntroWie die meisten bereits wissen, erhaltet Ihr in Remake keine vollständige Geschichte, sondern nur einen ersten Teil – den ersten Akt – dessen, was im 1997er Original erzählt wurde. Doch die Erzähldichte ist so viel höher, die Details und die Charakterausarbeitung um ein vielfaches intensiver, so dass dieser Auftakt gut für sich selbst stehen kann.
Wie schon im Original schlüpft der Spieler in die Rolle des Ex-SOLDATen Cloud, der sich als Söldner (furchtbare deutsche Übersetzung: „Alleskönner“ -.-) seinen Lebensunterhalt verdienen möchte. Für seine Kindheitsfreundin Tifa hat er eingewilligt, der Rebellengruppe AVALANCHE, einer Art aggressiven Pro-Planet-Umweltorganisation, bei Anschlägen auf den Megakonzern ShinRa unter die Arme zu greifen. Alle gemeinsam geraten in einen Strudel von Ereignissen, bei denen viel mehr auf dem Spiel steht, als es erst den Anschein machte. Was plant ShinRa? Wer ist der geheimnisvolle Sephiroth und … was hat es überhaupt mit Clouds seltsamen Anfällen und Visionen auf sich?
FF 7 Remake Cloud vor dem Loveless-TheaterRosarote Retrobrille hin oder her – die Eröffnung der Story in diesem Midgar-Abschnitt kann ich nur als rundum gelungen bezeichnen. Sie ist so viel intensiver als im Original. Ja, es ist hier und da etwas anders erzählt, es sind Events vorgezogen oder leicht verändert dargestellt worden, aber die Adaption als Ganzes ist einfach phantastisch. Man spürt die epische Reichweite der Geschichte. Die Tragik steckt in nahezu jeder Zeile. Mal geht es lustig zu, mal unheimlich, wir stoßen auf Geheimnisse und unvorhergesehene Wendungen. Der Aufbau und der Spannungsbogen könnten in einigen Punkten vielleicht etwas gnädiger zu neuen Spielern sein, die mit der Compilation nicht vertraut sind, ich bin allerdings nicht sicher, ob dies dann umgekehrt zu erklärend auf die Fans des Originals gewirkt hätte. Es ist eine Gratwanderung, die man vermutlich nicht besser hätte lösen können. Mich persönlich hat dieser Einstieg jedenfalls gänzlich mitgerissen.

 Das Spiel:

FF7R Waffen ScreenFinal Fantasy VII war nicht nur ein Meilenstein in der Geschichte der RPGs, es ist auch fest in den Herzen seiner Spieler verankert. Entsprechend hoch waren die Ansprüche und Erwartungen an dieses Remake. Ich für meinen Teil war lange Zeit sehr skeptisch, ehe die ersten Trailer andeuteten, dass meine erste große Spiele-Liebe wirklich vorsichtig behandelt werden würde.
Obwohl die Optik des Remakes natürlich vollkommen anders ist als die des Originals, scheint plötzlich alles genauso so auszusehen, wie ich es damals schon vor Augen hatte. Die Stadt Midgar und allem voran natürlich die wunderbaren Charaktere von Charakter-Designer Testsya Nomura – die ganze Welt scheint lebendig geworden zu sein. Aus Polygon-Knubbeln wurde echte Menschen, aus manchmal zu knappen Sätzen, die das Verständnis der Dialoge nicht immer leicht machten, wurden realistische Gespräche in Ton und Mimik, die auch im wahren Leben hätten stattfinden können. Vielleicht abgesehen vom verwaschenen Aussehen der Charaktere in den CG-Sequenzen, kann ich rein gar nichts nennen, was mir am Charakter- oder Welt-Design nicht gefallen hätte. Die Grafik ist umwerfend, die Beleuchtung schafft eine perfekte Atmosphäre und der Soundtrack, der sowohl mit verschiedenen Arrangements der klassischen Stücke als auch mit neuen Tracks aufwartet, rundet alles zu einer immer fassbaren, mitreißenden Stimmung ab.

FF 7 Remake Cloud Tifa & BarretDas Spielsystem des Remakes ist eine perfekte Mischung aus vielen Elementen, die in den vorangegangenen Final Fantasy Spielen verwendet wurden. Wir haben einen deutlich erhöhten Action-Anteil, doch durch das integrierte ATB-System fühlt es sich zu keiner Zeit nach langweiligen, unstrategischen oder eindimensionalen Kämpfen an. Die Waffenslots und die Materia, durch die wir unsere Fähigkeit und unsere Magie „anlegen“ und benutzen können, ist uns ebenso erhalten geblieben wie die Summons und das Limit System. Neu für Final Fantasy VII ist das Aufleveln der Waffen, das mich an das Sphärobrett aus FFX erinnert hat. Alles dies zusammen ergibt ein wirklich abgerundetes Bild, dessen einziges Manko – für mich – in den Kämpfen gegen fliegende Gegner lag. Hier hatte ich oft das Gefühl, nicht genug kontrollieren zu können, was vor sich geht.
Zugegeben, der Midgar-Abschnitt ist sehr linear und lässt dem Spieler wenig Raum für freie Erkundungen. Dennoch ist es mir in Remake nicht so negativ aufgefallen, wie z.B. bei Final Fantasy XIII. Ich verstehe, dass ich hier dem fixen Ablauf einer Geschichte folgen muss. Für Abwechslung ist trotzdem gesorgt: Minispiele wie Darts oder Kniebeugen, die verschiedenen Battlegrounds und auch das Tanz-Event – ich hatte wirklich Spaß! FF 7 Remake Let´s danceUnd das ist etwas, was tasächlich kein Spiel neben Final Fantasy VII je so gut ins Gleichgewicht bringen konnte: Ich habe eine epische und wirklich dramatische Geschichte, die mich zu Tränen rühren kann auf der einen Seite, und auf der anderen so viele lustige und herzerwärmende Momente – das beides nebeneinander funktionieren kann, ohne dass das eine überdramatisch oder das andere albern wirkt (oder – noch schlimmer – es sich gegenseitig abwerten würde), das habe ich in keinem anderen Spiel je erlebt. Und obwohl ich Angst hatte, wie man insbesondere den Wall-Market würde ins Spiel integrieren können ohne, dass es albern wirkt – Meine Güte. Square – Ihr habt es geschafft! Ihr habt Euch selbst übertroffen.

Kleiner Kritikpunkt: Der sich wiederholende Content (Kap. 14) war unnötig, ich glaube, das hätte man tatsächlich besser lösen können. Auch dass die Rätsel (Roboter-Hand-Kran in Kap. 9 oder die Walze in Kap. 17) keine waren, lässt mich mit einen etwas unbefriedigten Gefühl zurück. Aber das sind nur Winzigkeiten in einem sonst wirklich runden Gesamtbild, die mir den Spielspaß nicht ansatzweise hätten zunichte machen können.

Ich persönlich kann Final Fantasy VII Remake jedem ans Herz legen – den alten Fans sowieso und auch jedem neuen Spieler. Ich kann es kaum erwarten, endlich den nächsten Teil in den Händen zu halten.
Und nochmal: Wer es gern ausführlicher möchte, der kann auf meinem Blog vorbeischauen, dort findet Ihr mein ausführliches (spoilerfreies) Review und meine ausführlichen Gedanken zum Ende von Final Fantasy VII Remake.

 Daten und Fakten:

Final Fantasy 7 Remake Cover
Hersteller: SquareEnix
Erstveröffentlichung: 2020
Spieler: 1
Plattform: Sony Playstation 4
Discs: 2