Miriam Schäfer

Jahres-Rückblicks-Stöckchen 2020

Was für ein Jahr! Ich starre jetzt schon eine geraume Weile auf meinen Monitor und überlege, was ich über 2020 sagen könnte. Da gäbe es einerseits so vieles – und im Grunde doch nur so wenig. Wieder fühlt es sich nicht so an, als wäre es bereits Zeit, etwas abzuschließen. Dafür war dieses Jahr vermutlich einfach viel zu verrückt und viel zu wenig wie ein normales Jahr. Versuchen wir es trotzdem.

1. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Da fängt es schon an. Was für eine Zahl gibt man einem Jahr, in dem eine Pandemie die Welt auf den Kopf stellt und in so vielen Köpfen der Wahnsinn grassiert? Ich weiß es nicht.
Auch für mich persönlich lässt es sich kaum in eine Zahl kleiden. Ich bin im Prinzip seit einem 3/4 Jahr krank. Es wurde ein Ödem in meinen Fußknochen festgestellt, das einfach nicht abheilen wollte und mich fast zur vollkommenen Bewegungslosigkeit verdammt hat. Nun – endlich – scheint der Knochen wieder ok zu sein – dafür sind jetzt die Gelenke betroffen. Ich mag nicht mehr. Das viele Herumsitzen schlägt mir aufs Gemüt und zeigt, dass man definitiv vorsichtig mit seinen Wünschen sein sollte. Mehr Zeit und Ruhe fürs Schreiben – die hab ich jetzt. In Massen. Zuviel.
Ich habe viel geschafft in diesem Jahr. In konnte meine Juryarbeit für den Skoutz-Award in Ruhe erledigen und habe so viele Bücher gelesen wie seit Jahren nicht. Nachdem FF7R erschienen war, konnte ich viel, viel Zeit ins Zocken investieren und habe anschließend fleißig an meiner Webseite gearbeitet, etwas, was ich schon seit Jahren nicht getan habe. Ich habe mich wieder ein bisschen mit Japanisch beschäftigt, habe verschiedene Texte übersetzt und wunderbar nerdige FF-Gespräche mit wunderbaren Menschen geführt. Das war großartig, ich hatte Spaß und fühlte mich erfüllt. Ich habe neue Kapitel zu meinem Roman hinzugefügt und war noch im November so guter Dinge, dass nun alles wieder ins Rollen kommt. Und dann kam meine neue Diagnose und der neue Ruhe-Befehl vom Arzt. Und seitdem ist bei mir total die Luft raus. Ich habe an kaum noch etwas Spaß. Ich schlage Zeit tot, mag nicht mehr lesen, bin uninspiriert beim Schreiben und sehne mich vor allem nach einem großen Spaziergang mit dem Hund durch die Wälder.

Aber bei allem Gejammer – ich bemühe mich, die positiven Seiten nicht zu vergessen. Wie gesagt, Stress hatte ich in diesem Jahr wirklich kaum. Ich konnte problemlos das Kind im Homeschooling betreuen und habe so viele Dinge tun können, für die sonst keine Zeit bleibt. Nachdem ich bereits im letzten Jahr darüber nachdachte, meinen Job zu kündigen, habe ich mich wegen der langen Krankheit in diesem Jahr mit meinem AG geeinigt, den Vertrag aufzulösen und wenn ich wieder gesund bin, auf Stundenbasis weiter zusammenzuarbeiten; was tatsächlich mehr dem entspricht, was ich mir vorstellen würde.
Dieses Jahr hat mir gezeigt, dass wir als Familie einfach gut funktionieren. Sohni ist großartig. Er hat mit nur wenig Murren viele Dinge im Haushalt übernommen, die ich aktuell einfach nicht leisten kann. Der Schatz erledigt neben der Arbeit noch zusätzlich meine Elmo-Gassi-Runden und schafft es trotzdem, mir nicht das Gefühl zu geben, dass ich nur noch nutzlos bin. Obwohl wir in diesem Jahr viel enger zusammenrücken mussten und auch der Urlaub ins Wasser fiel, der uns sonst die nötige Erholung vom Alltag bietet, hatte ich nicht wirklich das Gefühl, dass wir uns gegenseitig auf den Geist gehen, sondern viel eher, dass wir die Zeit miteinander genießen konnten.
Auch wurde mir wieder klar, wie unendlich dankbar ich für meine Eltern sein kann. Ich habe so viele Aufgaben liegen lassen müssen, die sie sang- und klanglos miterledigt haben. Sie haben das Kind oder mich zum Arzt kutschiert, unseren Garten mit versorgt, Einkäufe erledigt oder mal für uns mit gekocht. Dabei wäre es gerade in diesem Jahr an mir gewesen, sie mehr zu entlasten :/ Hachja.

Das Jahr ansich wäre in einer Zahl ausgedrückt also eigentlich richtig kacke. -1 oder so. Aber es hat mir gleichzeitig gezeigt, wie viel Wertvolles ich besitze, für das ich dankbar sein kann. Und das ist im Grunde eine volle 10 wert. Ich würde also sagen, wir treffen uns auf der Mitte und geben 2020 eine 5. Einverstanden?

2. Zugenommen oder abgenommen?
Erst ganz wunderbar viel abgenommen, dann wegen des Bewegungsverbots fast alles wieder zugenommen. Herzlichen Glückwunsch.

3. Haare länger oder kürzer?
Wieder etwas länger :) Hatte in diesem Jahr Zeit für echte Splissschnitte.

4. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Dazu fällt mir in diesem Jahr nicht mal eine dumme Antwort ein. (Das lass ich so stehen.)

5. Mehr Kohle oder weniger?
Ohne den Bibliotheks-Job und ohne Lesungen und Co. – definitiv weniger.

6. Besseren Job oder schlechteren?
Zumindest einen weniger. Und ich glaube, der Schritt war gut. Ich habe mich selten so frei gefühlt wie in den Tagen nach der Entscheidung.

7. Mehr ausgegeben oder weniger?
Aiaiai … ziemlich viel.

8. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Einblicke. Einsichten. Erkenntnisse. Denke ich.

9. Mehr bewegt oder weniger?
VIEL weniger. Von durchschnittlich 15k Schritten/Tag auf … 2000 …

10. Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Bis auf das Ödem war ich nur 2x minimal erkältet.

11. Davon war für Dich die Schlimmste?
Tja. Der Preis geht uneingeschränkt an meinen Freund, das Knochenmarködem.

12. Der hirnrissigste Plan?
Oh, die FF7R Kurzgeschichte sowohl aus dem englischen als auch aus dem japanischen zu übersetzen xD

13. Der größte Schreck?
Hier müsste ich in der Tat eine Weile nachdenken. Es gab ein paar Dinge, die mich in diesem Jahr erschreckt haben. Zusammengefasst besonders die Dummheit der Menschen. Wobei ich daran längst gewöhnt sein sollte …

14. Die teuerste Anschaffung?
Der neue Schreibtisch. Oder der Wintergarten, aber der kommt ja erst im nächsten Jahr :)

15. Das leckerste Essen?
Da ist mir nichts im Gedächtnis geblieben. (Lasse ich so stehen.)

16. Das beeindruckendste Buch?
Ich habe sehr viel gelesen, aber es war wieder kein Buch dabei, das ich wirklich beeindruckend nennen wollen würde. Daher wäre ich auch in diesem Jahr wieder bei einem Artbook: Das Final Fantasy VII Remake Material Ultimania hat ich wirklich umgehauen. Ich hatte mir gar nicht so viel davon erwartet – doch es ist das definitiv beste und schönste Buch, das ich in diesem Jahr in den Händen halten durfte.

17. Der ergreifendste Film?
Ein Film fällt mir diesmal gar nicht ein, darum würde ich mich für eine Serie entscheiden, und zwar: das Damengambit. Absolute Empfehlung von mir! Trotz der ruhigen Erzählweise hat sie sogar dem Schatz gefallen, und das will was heißen =)

18. Die beste CD?
In diesem Jahr habe ich vor allem Soundtracks gehört. Der Beste? Definitiv der von Final Fantasy VII Remake. Auf Platz 2: Der Final Fantasy XIV Heavensward OST.

19. Das schönste Konzert?
Tja. Starset ist für uns Fuß-bedingt leider ausgefallen. Und danach gabs keine Konzerte mehr …

20. Die meiste Zeit verbracht mit?
Final Fantasy VII Remake :D

21. Die schönste Zeit verbracht mit?
Ich glaube mit dem Schatz und dem Kind während der Sommerabende auf dem Balkon.

22. 2019 zum ersten Mal getan?
An Krücken gelaufen. Einen Covid19 Test gemacht.

23. 2019 nach langer Zeit wieder getan?
Ein neues Final Fantasy weggesuchtet ♥ An der FF-Webseite gearbeitet und sie um neue Inhalte ergänzt. Übersetzt. Einfach nur da gelegen und Musik gehört.

24. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Uff. Reichen drei? Wie immer: Die Nachrichten. Und trotzdem lese ich sie weiterhin. Aber ich wünschte, die Welt könnte auf sie verzichten. Auf all die schrecklichen Dinge in der Welt. Ich wünschte, wir würden achtsamer miteinandner umgehen, mit uns, unseren Nachbarn, sei es denen vor Ort oder denen in der Welt. Ich wünschte, die Welt würde jedem Menschen tatsächlich den gleichen Wert zugestehen und den Wert von Leben und Natur über den Wert von Konsum und Geld stellen. Ich möchte nicht mehr lesen, dass Firmen, die großen Anteil an unserer Umweltzerstörung haben, unterstützt werden, dass Manager Milliardengehälter kassieren, während die, die wirklich schwer schuften, seien es Ärzt und Krankenpfleger aber auch Polizisten, Supermarktangestellte oder auch die Mitarbeiter der Abfallbetriebe so wenig gewertschätzt werden. Ich wünschte, Bildung und Kultur hätte den gleichen Stellenwert wie Marktwirtschaft und Waffenhandel. Ich wünschte, ich könnte auf all diesen Scheiß verzichten und müsste nicht jeden Tag Dinge lesen, die mich verständnislos und traurig zurücklassen.
Von Leuten, die das Tragen einer Maske zum Schutz ihrer Mitmenschen mit einer Diktatur gleichsetzen, brauchen wir gar nicht erst anfangen …

25. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich kann mich nur wiederholen. Ich hätte gern die Fähigkeit, die Menschen davon zu überzeugen, dass Natur und Leben mehr wert sind als Geld und Status.

26. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Ich glaube, das war in diesem Jahr der Rückhalt und das Verständnis meiner Familie.

27. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Stammt glaube ich von meiner Su, die mir in diesem Jahr immer wieder gesagt hat, wie sehr sie an mich und meine Geschichten glaubt. Danke dafür! ♥

28. Dein Wort des Jahres?
„Verwinkelt“ ist eines der Worte, das besonders bei mir hängengelieben ist …

29. Dein Unwort des Jahres?
Hier könnte ich in diesem Jahr eine ewiglange Liste anführen. Beginnend bei „Querdenker“.

30. Zum Vergleich: Verlinke Dein Stöckchem von vorigem Jahr!
Jahres-Rückblicks-Stöckchen 2019

Und damit hätte ich auch dieses Jahr mit meinem Fragebogen beendet. Ganz ehrlich, ich mag diese Tradition wirklich. Auch, wenn es für Euch vermutlich wenig spannend ist – mir hilft es, meinen Kopf zu sortieren und irgendwie doch ein Kapitel abzuschließen und dem neuen Jahr die Chance zu geben, ein gutes zu werden.

Ich hoffe Ihr und Eure Lieben sind gesund. Achtet Euch und aufeinander. Kommt gut ins neue Jahr. Hoffen wir, es wird ein besseres und ein friedliches.
In diesem Sinne: Alles Liebe. ♥

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.