Willkommen im Leben [Serie]

Willkommen im Leben Cover

Die Teenieserie „Willkommen im Leben“ von 1994 mit Claire Daines in der Hauptrolle fand ich schon damals absolut spitze. Heute gibt es sie auf DVD und wurde schnell in meine Sammlung aufgenommen. Nachdem ich sie mir nach den vielen Jahren erneut angesehen habe, stellte ich fest, dass sie sogar noch besser ist, als ich sie in Erinnerung hatte!

In der Kultserie mit dem Originaltitel „My so called life“ geht es um die 15jährige Angela Chase. In einem pubertären Anfall von „alles ist scheiße“ überwirft sie sich mit ihrer besten Freundin Sharon, steigt aus dem Jahrbuchprojekt ihrer Klasse aus, färbt sich ihre Haare rot und beginnt mit der ausgeflippten Rayanne und dem homosexuellen Ricky herumzuhängen. Die beiden führen die einst brave Angela in die Partyszene ein, und sie schafft es, ihren heimlichen Schwarm, Jordan Catalano [Jared Leto], endlich auf sich aufmerksam zu machen.

Die Serie behandelt in ihren 19 Folgen a 45 Minuten nach und nach diverse Probleme, denen Teenager eben so begegnen. Die Angst, dass die Familie zerbrechen könnte. Gewalt an der Schule. Diskriminierung, Alkohol- und Drogensucht, nervige Geschwister. Die große Liebe. Die unerfüllte Liebe. Freundschaft und Verrat. Aber auch Misshandlung und Obdachlosigkeit.
Das außergewöhnliche an „Willkommen im Leben“ ist, dass es hier nicht um irgendwelche Modelteenager geht, die für tausende Dollar Klamottenshoppen oder an eine Nasen-OP denken. Es geht um ganz normale Jugendliche, die mal einen Pickel haben oder auch ein paar Kilo zu viel auf die Waage bringen, eben solche, mit denen man sich identifizieren kann. Ihre Probleme werden in der Serie feinfühlig behandelt und durch die sehr unterschiedlichen Charaktere von vielen Seiten beleuchtet und gelöst. Es gibt viel Spaß in „My so called life“, trotzdem ist die Gesamtstimmung der Serie eher melancholisch und oft ein bisschen traurig.

Was mir heute besonders auffällt ist, dass man die Serie je nach Blickwinkel völlig anders erlebt. Damals habe ich mit Angela mitgefiebert. Bekommt sie ihren schnuckeligen Jordan? Heute sehe ich diese beiden, sehe, wie sehr er mit sich selbst beschäftigt ist, wie wenig er sie wirklich wahrnimmt und sehe daneben den schüchternen aufopferungsvollen Brian, der schon so lange in Angela verliebt ist und hoffe stattdessen mit ihm. Wann wird ihr aufgehen, dass sie Jordan nur attraktiv findet, aber nichts von ihm erwarten kann?
Ein bisschen erinnert mich die Angela-Jordan Beziehung an die [für mich] oberflächliche Bella-Edward-Kiste aus den Twilightromanen. Anziehung und Verlangen. Aber keine wahren Gefühle.

Auch viele andere Dinge springen mir heute ins Auge: Wie oft Angelas kleine Schwester Danielle einfach an den Rand gedrängt wird und im Schatten der großen Schwester steht. Wie die wirklich sympatischen Eltern versuchen Angela gleichzeitig Vorbild und Freund zu sein. Wie sie aber selbst auch manchmal mit ihrem Elterndasein hadern und sich fragen, seit wann sie wie die eigenen Eltern reden.

Die Serie ist unglaublich facettenreich und wird an keiner Stelle langweilig. Sie ist ganz anders als andere Teenieserien und trotz ihres Alters hat sie auch heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Ihr einziges Manko ist das fehlende Ende. Nach 19 Folgen wurde die Serie leider eingestellt und endet somit relativ offen.

Angeblich war „Willkommen im Leben“ die Vorlage der deutschen Serie „Mein Leben und ich“, die ich zwar auch unheimlich gerne mag, aber völlig anders erlebe und beides weder vergleichen kann noch möchte.

Mein Fazit:
Eine der besten Serien, vermutlich die beste Teenie-Serie, die ich kenne! Sympathisch, gehaltvoll, beinahe natürlich und selten überzeichnend zeigt „Willkommen im Leben“ ein fast typisches Teenagerleben mit allen Höhen, Tiefen und kleinen wie großen Dramen. Besser könnte die Serie nur sein, wenn sie einen würdigen Abschluss erhalten hätte. Aber auch ohne diesen ist sie absolut empfehlenswert!

One Response to Willkommen im Leben [Serie]

  1. Ikima sagt:

    Jaaa, die Serie hab ich damals auch schon geliebt! Leider wurde sie ja nie zu Ende geführt… Ich hab sie letztes Jahr auch seit Jahren mal wieder gesehen und war gleich wieder gefesselt – die Serie ist einfach super, da ist nichts dran zu rütteln. Ich hab sie jetzt auch mal auf Englisch gesehen und der Wortwitz ist da noch um einiges besser. (Ein Beispiel, die Mutter zu Angelas gefärbten Haaren: „Oh, so you had it dyed. I thought it died of natural causes.“)
    Wie ist denn diese DVD-Box aufgemacht (Extras etc.)?

    Liebe Grüße! :)

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