Miriam Schäfer

Final Fantasy VII Remake Intermission – Zack Theorien – Das Ende und was es (vielleicht) bedeutet. SPOILER!

Achtung:
Dieser Beitrag enthält diverse heftige Spoiler, Gedanken und Theorien zu Final Fantasy VII, Final Fantasy VII Remake, Final Fantasy VII Remake Intergrade & Intermission, Crisis Core, Advent Children & Dirge of Cerberus!
Wenn Du die Spiele noch nicht gespielt oder den Film nicht gesehen hast und ein ungetrübtes Erlebnis damit haben möchtest, ist es JETZT an der Zeit, das Lesen einzustellen!

If you prefer the English version of this text: go here.

Final Fantasy VII Remake Intermission - The unknown Journey begins

Nachdem uns das Ende von Final Fantasy VII Remake bereits einigen Stoff zum Nachdenken mitgegeben hat, legt Intermission nochmal nach. Ehrlich – hättet Ihr es gedacht?
Nun, dass die Final Fantasy Reihe besondere Enden und oft ein extra Leckerchen nach den Credits zu bieten hat, ist nicht wirklich etwas Neues. Doch – ganz ehrlich – was uns der „kleine Yuffie-DLC“ da geboten hat – wow. Damit hatte ich nicht gerechnet. Umso größer war meine Freude, nach Yuffies Abenteuer noch einen Blick auf Cloud, Tifa, Barret, Aerith und Red XIII werfen zu dürfen. Ja, es war „nur“ der Weg nach Kalm, aber … hallo?! Es war der Weg nach Kalm! :D Es ist so wunderbar mitanzusehen, wie die Charaktere miteinander interagieren. Diese kleinen Details! *hach* Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen sollte, sie alle aufzuzählen – ich würde ja doch nicht mehr aufhören ^^‘ Daher sei nur gesagt: Diese kurze „Intermission“ war für mich perfekt inszeniert und beinhaltete mehr, als ich je zu träumen gewagt hätte. Doch dann … ja … dann war er wieder da – Zack. Und das ist der Punkt, an dem es dann richtig interessant wird. Interessant, spannend, verwirrend, undurchschaubar und gerade darum so wahnsinnig gut.
Lasst uns drüber reden …

Lebt Zack?

Zack vor der Kirche von Sektor 5Das ist die alles beherrschende Frage. Lebt Zack?
Schon Remake lud im vergangenen Jahr zu den wildesten Spekulationen ein. Ist das, was wir gesehen haben, die Realität? Lebt Zack? Oder spürt Aerith seine Anwesenheit, weil er an genau DIESER Stelle starb? Fühlt sie nur seine Erinnerung, sein Echo? Den Schatten seiner Existenz im Lebensstrom? Oder wurde durch die Vernichtung der Whisper in der Singularität tatsächlich die Zeit durcheinandergebracht? Gibt es nun zwei Zeitlinien, in denen die Handlung stattfindet? Und ist die, in der Zack lebt, noch identisch mit der, in der unsere Truppe sich auf die Reise begibt? Gibt es nun zwei Clouds? Oder eine Zeitebene, in der Zack lebt und eine, in der Zack gestorben ist?
Fragen über Fragen. Und keine davon ließ sich bisher klar beantworten.

Wer meine ausführlichen Gedanken zum Ende von Final Fantasy VII Remake erfahren möchte, der darf gern einen Blick auf meine „Remake-Ending-Analyse/-Theorie“ vom letzten Jahr werfen. Das macht es vielleicht leichter, mir jetzt nach Intermission zu folgen. Und auch hier nochmal ein Disclaimer: Dies hier ist meine Theorie, es sind meine Gedanken und Schlüsse, die ich mir mit meinem (teilweise eingerosteten) Wissen um die Final Fantasy VII Compilation und dem, was ich aus den neuen Teilen gelesen habe, ziehe. Ich erhebe keinen Anspruch darauf, richtig zu liegen. Es kann sich als totaler Quatsch herausstellen. Nur weil ich den einen Weg logisch finde und einen anderen für erzählerischen Blödsinn halte, kann es trotzdem anders kommen. Es gibt tatsächlich einige erfolgreiche Dinge, die ich persönlich für nicht gut erzählt halte ;) Daher – ich möchte nicht sagen, dass irgendjemand blöd ist, weil der/diejenige etwas anders sieht oder andere Schlüsse gezogen hat als ich. *peace*

Doch zurück zu Zack.
Crisis Core - Aerith spürt Zack im LebensstromIntermission hat meine Meinung in einigen Punkten bestärkt und in anderen verändert. Ich bin noch immer überzeugt, dass wir es nicht mit verschiedenen Zeitlinien zu tun haben, also einer Handlung, die sich nach der Vernichtung der Moiren bzw. Whipser in zwei getrennte Stränge aufteilt. Klar, theoretisch wäre es möglich – aber wir haben es mit Nojima und Nomura, Kitase und Sakaguchi, phantastischen Autoren und Erzählern, zu tun. Deux Ex Machina ist ein meist eher billiger Griff in die Trickkiste und zeugt bis auf in wenigen Ausnahmen nicht von besonders gutem Erzählstil. Das haben die kreativen Köpfe hinter Final Fantasy VII einfach nicht nötig, insbesondere, weil ihr Universum bereits alles mitbringt, was sie brauchen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass alles, was uns aktuell verwirrt oder vor Rätsel stellt, mit dem Lebensstrom zu tun hat. Und Zacks Auftritt in Intermission bestärkt mich weiter in meiner Annahme.

Gehen wir einen Schritt zurück:
Nach seinem Auftritt in Remake konnte ich mir gut vorstellen, dass die Szene am Ende von Remake zeigt, dass Zack tatsächlich überlebt haben könnte. Gleichzeitig überlegte ich aber, dass es dann auch schon immer so gewesen sein könnte. Cloud, unser unzuverlässiger Erzähler, könnte einfach nicht wissen, dass Zack (zu dem Zeitpunkt) tatsächlich nicht gestorben ist, es könnte sich mal wieder um eine falsche Erinnerung handeln. Es gibt allerdings ein paar Punkte, die dagegen sprechen: Crisis Core ist nicht Clouds Geschichte, es ist Zacks Geschichte. Crisis Core - Angeal holt Zack in den Lebensstrom Wieso sollte seine eigene Geschichte die Unwahrheit über sein Ende erzählen? Dazu kommen die Szenen mit Aerith & Angeal. Aerith, die Zacks Tod über den Lebensstrom spürt, und Angeal, der seinem Freund die Hand entgegenstreckt und ihn im Lebensstrom willkommen heißt. Aber da wir ja noch vollkommen im Trüben darüber fischten, was wirklich wahr war und was nicht, konnte nach wie vor (fast) alles möglich sein.

Intermission grenzt die Möglichkeiten nun ein:

Intermission – Zack zurück in Midgar?

Final Fantasy VII Intermission - I´m back - Zack zurück in MidgarWährend Remake an einer Stelle endete, die zumindest Raum zur Interpretation ließ und man mutmaßen konnte, dass der Moment, in dem Zack getötet wird, noch auf das folgt, was auf dem Bildschirm gezeigt wurde, so ist Intermission in diesem Punkt eindeutig: Wir sehen Zack zurück in Midgar. Er steht vor dem Portal von Aeriths Kirche in Sektor 5 und legt sich Worte zurecht, die er ihr sagen könnte, wenn er nun nach so langer Zeit ohne jedes Lebenszeichen zu ihr zurückkehrt. Er stößt die Flügeltüren auf … und erstarrt. Keine Aerith weit und breit. Stattdessen ist das Innere der Kirche voll von klagenden Menschen. Und Aeriths Blumen sind zertrampelt …

Meine ersten spontanen Gedanken dazu waren:

  • Ok, also lebt Zack tatsächlich.
  • Aerith ist nicht da, weil sie mit Cloud und den anderen unterwegs ist.
  • Die Blumen sind plattgedrückt, weil Cloud erst zwei Tage zuvor darauf gelandet ist. Aber vielleicht ist auch einfach der Junge schuld, der gerade mitten im Beet steht.
  • Die Leute? Vermutlich trauernde und verletzte Flüchtlinge, die nach dem Plattenunglück in Sektor 7 in der Kirche Zuflucht gefunden haben.

Soweit so simpel, oder?
Vielleicht zu simpel. Denn eigentlich kann das so nicht stimmen. Wenn wir an der Chronologie der Erzählung festhalten wollen, dann passt das Ganze nicht recht zusammen.
Je nachdem welcher Quelle wir folgen, vergingen zwischen Clouds Rückkehr nach Midgar und dem ersten Bombing Run zwischen 2 Wochen und fast 2 Monaten. In der Zeit hat Tifa Cloud geholfen, sich von seiner Mako-Vergiftung und seinem Trauma halbwegs zu kurieren. So wie es sich Remake bisher darstellte, könnte die Zeit noch knapper gewesen sein und Cloud vielleicht gar nicht so „krank“ – aber das ist reine Spekulation meinerseits. In jedem Fall – wenn wir erstmal davon ausgehen, dass Zack tatsächlich überlebt hat und Cloud zurück nach Midgar brachte, dann hätte er sich verdammt viel Zeit damit gelassen, seine Aerith zu besuchen, wenn er erst nach dem Fall der Platte bei ihr auftaucht. Oder nicht? Was sollte er in der Zwischenzeit Wichtigeres getan haben? Bei ShinRa war er vermutlich nicht (zumindest nicht freiwillig), nachdem sie ihn erst jahrelang eingesperrt haben und dann auch noch versuchten, ihn zu töten.

Intermission - Aeriths KircheWANN also steht Zack vor der Kirche?
Da wir viele der Klagenden im Innern der Kirche aus dem Intro kennen, könnte es sich um Opfer des ersten Bombing Runs handeln. Doch selbst das würde zuviel verstrichene Zeit bedeuten. Zack hat gegen Ende von CC Aeriths Briefe erhalten – den gesamten Stapel. Er wird doch nicht wochenlang warten, ehe er sie – seine große Liebe – besucht. Ich meine, einer seiner ersten Wege, wenn nicht DER erste, nachdem er Cloud in Sicherheit gebracht hat, müsste ihn direkt zu ihr geführt haben. Das Ganze müsste also so früh stattgefunden haben, dass wir gar nicht wissen können, weshalb die Menschen in der Kirche sind, da die aktive Handlung des Spiels zu dem Zeitpunkt noch gar nicht lief. Und – Cloud kann dann unmöglich der Grund für die zerdrückten Blumen sein.

De-Sync – Die Zeit aus dem Takt

Final Fantasy VII Remake Intergrade Intro - Time De-SyncTatsächlich ist es also – zumindest oberflächlich – naheliegend, von einer neuen Zeitlinie auszugehen. Im Moment der Moiren-Explosion könnte sich eine neue Linie aufgetan haben, die neben der bekannten herläuft. Wenn sie erst in dem Moment begann, als die Whisper explodierten, dann ja, wäre es so, als liefe die Zack-Linie der Cloud-Linie ein paar Wochen hinterher. Rein chronologisch wäre das eine simple Schlussfolgerung. Wenn wir zudem davon ausgehen, dass Cloud selbst – da er sich in der Singularität befand – von allen Veränderungen der Außenwelt nicht betroffen war, dann wären auch die beiden Buster-Schwerter zu erklären und dann könnte man diese Theorie als durchaus „einfache und logische“ Möglichkeit anerkennen.
Dazu passen würde die De-Synchronität der beiden Intros von Remake und Intermission. Mir ist nur aufgefallen, dass die Musik etwas anders ist (ich fand Remake btw. deutlich schöner – aber Intermission ist um einiges verstörender …! Whuu …!), doch Sleepezi hat dazu ein tolles Video online gestellt, in dem er beide Intro-Versionen nebeneinander laufen lässt. Schaut es Euch an und seht selbst! Die beiden Intros sind visuell nicht mehr deckungsgleich. Natürlich könnte das lediglich an der veränderten Musik liegen und daran, dass man Ton und Bild im Rhythmus aneinander angleichen wollte, aber … bei Square weiß man ja nie … ^^

Doch zurück zu den Zeitlinien. Macht das wirklich Sinn? Ich denke nicht.
Denn – bei zwei Zeitlinien müssten nun zwei Clouds existieren. Wir haben Zack am Ende von Remake gesehen, wie er Cloud2 – an Cloud1 vorbei – zurück nach Midgar schleppt. Also müsste ein Cloud existieren, der mit dem Team Richtung Kalm marschiert, und einer, den Zack irgendwo in Midgar verstaut. Wie sollte das möglich sein? Müssten wir dann nicht eher sogar von einer zweiten Realität ausgehen, die räumlich ganz und gar von der ersten getrennt ist? Zack & Cloud auf dem Weg nach Midgar Doch wie bitte will man die später mit der ursprünglichen zusammenfügen, wenn Cloud doppelt existiert? Müsste dann am Ende nicht zwangsläufig ein Cloud übrig bleiben oder vernichtet werden? Und – wollen wir das sehen? Wollen wir uns entscheiden müssen, in welcher Zeitlinie Cloud überleben darf und in welcher nicht? Ein sehr gruseliger Gedanke!

Also – ja. Ich stimme zu – es mag auf den ersten Blick stimmig klingen, dass die Handlung in verschiedenen Zeitlinien erzählt wird. Aber sobald man intensiver darüber nachdenkt … wenn Zeitreisen oder alternative Welten in diesem Universum möglich wären – wieso Cloud dann nicht schon in Nibelheim daran hindern, dass er Sephiroth überhaupt in den Lebensstrom befördert? Wieso nicht noch weiter vorne ansetzen und eine Zeitlinie erschaffen, in der die ShinRa Jenova gar nicht finden und Sephiroth nicht erschaffen können? Dieses Spielchen könnte man endlos fortsetzen und am Ende bliebe von der ursprünglichen Geschichte nichts weiter übrig als „Was wäre wenn …?“. Und das wäre doch wirklich schade, oder?

Und selbst wenn wir die Geschichte nur so, wie sie sich uns aktuell zeigt und mit zwei Zeitsträngen akzeptieren würden – wenn wir sie dann bis zum Ende denken (und wir gehen ja davon aus, dass es sich um eine gute Geschichte handelt ^^), führt das Ergebnis unweigerlich zu zwei verschiedenen Enden oder zwei Handlungssträngen, die nicht ohne Weiteres wieder zusammenzuführen sind.

Lässt sich das Problem umgehen? Klar. Es sind einfach keine zwei Zeitlinien. (tada! ^^)
Wenn „Zeitreisen“ möglich wären, wir aber nicht zu anderen markanten Ereignissen in der Zeit zurückkehren können, bedeutet dies, dass diese Zeitreise-Fähigkeit auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt sein muss. Wir hätten es also entweder mit dem im Artikel vom letzten Jahr bereits angedeuteten „Timeloop“ zu tun, oder …

Alles geschieht, wie es schon immer geschehen ist

Kitase sagteIch glaube tatsächlich, dass wir den Producern und Autoren vertrauen können. Kitase sagte schon im letzten Jahr in einem Interview (ich glaube in der Ultimania – Link zur Übersetzung von Audrey (Twitter)), dass es (von nun an) keine drastischen Veränderungen in Remake geben wird. Toriyama ergänzte erst kürzlich (Gamesstop News), dass die Änderungen, die uns erwarten, ungefähr so sein werden, wie sich die Szene im HoneyBee Inn im Vergleich zum Original geändert hat. Ich interpretiere das so, dass es Anpassungen in Design und Ablauf geben kann. Die Erzählung könnte ergänzt werden oder hier und da einen neuen Bogen schlagen, einige Dinge könnten eine höhere Gewichtung bekommen, andere wegfallen, doch an der großen, wichtigen Hauptstory, wird all das nicht viel ändern.

Was bedeutet das für Zack?
Möglichkeit Eins: S.o. – Zack ist nie auf dieser Anhöhe gestorben. Er hat Cloud tatsächlich zurück nach Midgar gebracht, hat ihn gepflegt und ist zu einem späteren Zeitpunkt – aber in jedem Fall VOR Clouds Aufeinandertreffen mit Tifa (da er ja bis dahin an Punkt X das Buster Sword bekommen haben müsste) – gestorben. Remake könnte uns in diesen Zack-Rückblenden also schlicht „die wahre Zack Story“ erzählen. Das wäre plausibel. Plausibel – aber ziemlich unspannend.
Crisis Core - Zacks TodAußerdem wäre es viel neuer Inhalt, der nur existieren würde, um einem der monumentalsten Augenblicke der Final Fantasy VII Compilation – Zacks Last Stand – zu widersprechen bzw ihn vollkommen zu negieren. Einen der größten Momente opfern, nur um einen WTF-Moment zu kreieren? Wollten wir nicht von gutem Storytelling ausgehen? Nein. Ich glaube nicht daran.

Und Möglichkeit Zwei?
Gehen wir zurück zu Zack und der Kirche und sehen uns alles etwas genauer an:

Zwei verschiedene Kirchen

Das Erste, was mir beim zweiten Ansehen der Szene auffiel, war, dass die Kirche in Intermission viel aufgeräumter zu sein scheint, als die, in der Cloud Aerith in Remake begegnet ist. Es stehen mehr Bänke im Raum, es lehnen keine Trümmer an den Wänden und auch der Boden wirkt weniger ramponiert. Als ich das überprüfen und vergleichen wollte, fiel mir das Kreuz über dem Altar auf:

Das Kreuz in Aeriths Kirche - Intermission Das Kreuz in Aeriths Kirche - Remake

In Zacks Version der Kirche haben wir ein Holzkreuz an der Wand. In Remake ist es nur ein in den Stein geritztes Kreuz. Zufall? Designanpassung? Definitiv nein.
Denn zum einen ist Zacks Kirche tatsächlich weniger kaputt, als die Remake Kirche – zum anderen ist das Kreuz in Zacks Version identisch mit dem Kreuz aus Crisis Core, Advent Children und dem Final Fantasy VII Original. In allen drei Teilen der Compilation existierte ein Holzkreuz!

Das Kreuz in Aeriths Kirche - Crisis Core Das Kreuz in Aeriths Kirche - Advent Children

Das Kreuz in Aeriths Kirche - FF7 Original

In dem Moment beschloss ich, mir auch ein paar andere Dinge genauer anzusehen, die mir zwar aufgefallen waren, denen ich aber wenig bzw. keine Bedeutung beigemessen hatte. Denn – wieso hätten mich grafische Veränderungen zwischen Remake und OG stutzig machen sollen? Immerhin ist das Original über 20 Jahre alt. Natürlich würde ein aktuelles PS4 Spiel Elemente grafisch aufwerten, so dass sie sich vom Original unterscheiden. Aber – wieso sollte es dann auch innerhalb des Spiels selbst Designunterschiede geben?

Zwei verschiedene Midgars

Das Midgar im Remake Intro ist der Wahnsinn. Ich glaube, es gibt keinen FF7-Fan, der von dem Anblick nicht total überwältigt war. Obwohl mir hier schon beim ersten Ansehen ein Detail auffiel: Midgar schien größer zu sein als im Original. Der Außenbezirk hinter dem Reaktorring war bereits viel weiter ausgebaut und bestand nicht nur aus unbebauten Platten wie im Original. Doch bestimmt hatte man damals einfach an der Grafik gespart und uns heute die volle Dröhnung gegeben. Wow!

Midgar - Final Fantasy VII Original Intro Midgar - Final Fantasy VII Remake Intro

Doch nachdem ich mir nun alle Szenen, in denen Midgar zu sehen ist, wieder angesehen habe – stellt sich diese Antwort als nicht ganz so einfach dar. Denn das Midgar, das Cloud in Remake von oben betrachtet, nachdem er die Singularität betritt – das ist identisch mit dem des Originals. Der Außenbezirk ist noch unbebaut und auch die Art der Beschriftung der Reaktoren ist anders.

Midgar Reaktor in Final Fantasy VII Original Midgar Reaktor im Final Fantasy VII Remake Intro

Midgar in der Remake Singularität - OG Design Midgar Reaktor in der Remake Singularität - OG Design

Ganz deutlich ist das alte „leere“ Design dann in dem Moment zu sehen, in dem die Whisper vor Zacks Augen explodieren:

Midgar in Remake - OG Design

Auch im Ending des Remakes finden sich weitere optische Unterschiede zu Dingen in FF7R selbst. Wenn wir in Kapitel 13 den zerstörten Siebten Himmel / Seventh Heaven besuchen, wirkt dessen Namensschild stärker beschädigt als in der Endsequenz, wenn wir die Bewohner von Sektor 7 beim Wiederaufbau beobachten (beachtet den breiten Riss im Buchstaben E in HEaven). Bedenkt man zusätzlich, dass während wir das Schild in Kapitel 13 betrachten, ein riesiger Container von oben herabstürzt und darauf kracht …

Siebter Himmel - Kapitel 13 Siebter Himmel - Endsequenz

Wie dem auch sei – wir haben es also mit zwei unterschiedlichen Midgars zu tun. Das eine, in dem Remake stattfindet und das andere, das wir aus der bisherigen Compilation kennen. Das Midgar in Remake – und das in der Singularität. Zufall? Mit Sicherheit nicht. Wird hier also auf ein alternatives Universum verwiesen?

Jein.
Ja – es gibt zwei Midgars. Doch geht es hier – meiner Meinung nach – nicht um ein alternatives Universum im Sinne eines Paralleluniversums. Wir brauchen keine zusätzliche Zeitlinie oder Realität mit neuer Handlungsebene. Wir erleben kein (wie ich fände – extrem blödes) „What if…“- Szenario. Nein. Remake hat tatsächlich einen erzählerischen Sinn und nutzt Elemente, die Final Fantasy VII seit jeher besaß: den Lebensstrom und die Erinnerungen an alles Leben und alle Zeiten in ihm.

„Zack is alive … somehow“

Erinnern wir uns an eine Aussage von Nomura (in der Ultimania – ich finde das entsprechende direkte Zitat gerade nicht wieder, nur die lange Version (inverse.com), in der er bestätigte: „Zack is alive (somehow).“ Zack lebt (gewissermaßen). Ich vertraue den Autoren. Aber meiner Meinung nach sollten wir dem Wort „alive“ hier weniger Bedeutung beimessen als dem Wort „somehow“. Die Producer lieben es, uns die Wahrheit zu sagen und uns damit gleichzeitig in die Irre zu führen.

Ich sags zur Sicherheit nochmal: Das hier sind meine Gedanken und Theorien. Sie müssen nicht richtig sein, sie können sich als totaler Schwachsinn herausstellen. Doch für mich sind sie plausibel und logisch und tatsächlich der einzige Weg (der mir einfällt – muss also nichts heißen ;) ), die Geschichte konsent zu halten, ohne sie an eine alberne Wischi-Waschi-Erzählung zu verlieren. Ja, das Potenzial birgt Remake auch weiterhin. Aber Part 1 hat mir gezeigt, dass Square es tatsächlich noch drauf hat. Ich werde ihnen also vertrauen, bis sie mir das Gegenteil beweisen.

Crisis Core - Angeal heißt Zack im Lebensstrom willkommenDaher – ich glaube nicht, dass Zack wirklich „lebt“, so wie wir das Leben verstehen. Aber ich glaube – ja, Zack existiert.
Ich glaube, Zack ist genau wie es in Crisis Core und im Original zu sehen war im Kampf gegen die ShinRa gestorben. In diesem Moment tritt er über in den Lebensstrom und „lebt“ dort weiter. Er ist von diesem Moment an an Clouds Seite – genau, wie er es in OG und AC immer gewesen ist.

Existenz im Lebensstrom

Wer ausführlich erklärt haben möchte, wie der Lebensstrom funktioniert, bzw. wie ich ihn verstehe, der schaue bitte nochmal in meine „Remake-Ending-Analyse“ vom letzten Jahr.

Erinnern wir uns jetzt an die Geschichten oder Erzählelemente „Lebensstrom Weiß“ und „Lebensstrom Schwarz“ im Buch „On a way to a smile“ bzw. auf deutsch „Der Blick nach vorn“. Hier wird erklärt, dass es einige Entitäten gibt, die sich ihres Selbst so bewusst sind, dass sie ihre „Körper“ und Identitäten im Lebensstrom behalten, dass sie ihr „Gesicht“ behalten. Und dass Aerith und Sephiroth so sind – aber auch Zack. Es wird weiter gesagt, dass der Lebenstrom blockiert ist, dass die anderen Seelen vom Kreislauf des Lebens abgeschnitten sind und nicht ins Leben zurückkehren können, solange Sephiroth da ist.

Advent Children - Cloud & ZackMeine Theorie ist nun, dass Zack nach seinem Tod (auf der Anhöhe) in den Lebensstrom übergegangen ist. Und das der Lebensstrom, der alles Leben und alle Erinnerungen enthält, für ihn so aussieht, wie das Leben, das er kannte. Er merkt also im Prinzip noch gar nicht, dass er gestorben ist. Stattdessen begibt er sich (mit Cloud auf den Schultern, dazu komme ich gleich noch) zu dem Ort, an dem er Aerith treffen wollte: die Kirche. Für ihn sieht die Kirche – und Midgar – genau so aus, wie er sie in Erinnerung hat. Zack war über 4 Jahre nicht dort. Bedenkt man die fortgeschrittene Technologie – ist dieser Zeitraum vollkommen ausreichend, den Außenring der Stadt weiter auszubauen. Die Kirche hingegen ist während der Jahre seiner Abwesenheit weiter verfallen, das Holzkreuz vielleicht heruntergefallen oder abgenommen worden … Dies würde die Unterschiede zwischen dem Remake-Design und dem „Lebensstrom-Design“ erklären.
Doch warum gleichen OG und AC dann ebenfalls dem Lebensstrom-Design in Remake? Behaltet die Frage im Hinterkopf!

Ich sehe tote Menschen!

Kommen wir erst zu den anderen Menschen in der Kirche. Ich nehme an, sie suchen dort tatsächlich Zuflucht. Doch ich glaube nicht, dass es Überlebende des Plattenunglücks sind. Dafür spräche vielleicht, dass keiner von ihnen auf Lebensstrom-Zack zu reagieren scheint, als er die Kirche betritt. Doch ich halte sie viel mehr für Seelen, eben jene, die nicht mehr am Kreislauf des Lebens teilhaben können und im blockierten Lebensstrom gefangen sind. Vielleicht ist ihr Klagen das, was Aerith und Barret die „Schreie des Planeten“ nennen. Vielleicht nehmen sie Zack deshalb nicht wahr, weil sie so sehr mit sich und ihrem Leid beschäftigt sind.
Intermission - Flüchtlinge in Aeriths Kirche?Ich könnte mir vorstellen (und jetzt begeben wir uns in einen sehr, sehr spekulativen Bereich) dass es Zacks Aufgabe werden könnte, sie zu motivieren, ihnen ihren Glauben zurückzugeben, und sie zu einer Art … Kämpfer des Lebensstroms zu machen. Ich könnte mir weiter vorstellen, dass Aerith, in dem Moment, als sie in ihrem alten Zimmer im ShinRa HQ von den Whispers umwirbelt wurde, und den seltsam zusammenhanglosen Satz „Follow them, the yellow flowers“ sagte, nicht mit ihren Freunden gesprochen hat, sondern mit ihnen, den Moiren und Seelen. Sie wies ihnen den richtigen Weg. Dorthin, wo der Lebensstrom noch rein ist, sie zeigte ihnen einen Ort, an den sie gehen können, an dem sie vor Sephiroth geschützt sind. Vielleicht wusste Aerith sogar, dass Zack dorthin kommen würde. Vielleicht ist all das ein Teil ihres Plans: die Kräfte des Lebensstromes an einer Stelle zu bündeln.

Folgt den gelben Blumen

Die gelbe Blume zerfällt zu Blütenblättern die Whisper folgen ihnen?

Cloud und Zack – Verbunden im Geist

Wenn Zack gestorben ist – wie kann Aerith ihn dann dabei wahrnehmen, wie er Cloud zurück nach Midgar trägt?

Remake Zack & Cloud treffen Cloud & Aerith

Nun, besonders möchte ich hier auf das weiße Licht verweisen. Das weiße Licht, in dem Aerith und Zack am Ende von Advent Children verschwinden. In dem Tifa und Cloud in der Blumenwiese liegen, in dem Cloud Aerith besucht, um Vergebung zu erbitten. Dieses weiße Licht stellt eindeutig den Lebensstrom dar oder zumindest eine spirituelle Ebene, in der man sich auch befindet, wenn man z.B. ohnmächtig ist. -> Siehe Cloud im „Gespräch“ mit seinem „Unterbewusstsein“ nach dem Sturz in die Kirche. Theoretisch könnte dieses Gespräch direkt mit dem Ende von Intermission verknüpft sein! Zumindest, wenn wir davon ausgehen, dass er nicht, wie ich bisher angenommen hatte, mit „Real Cloud“ spricht, sondern mit Zack …? Aber auch dazu später mehr.
Dieses Licht sehen wir jedenfalls auch hinter Zack, als er in Intermission im Kirchenportal steht. Aber wir sehen es auch am Ende von Remake, als sich die beiden „Welten“ in Aeriths Wahrnehmung berühren. Da sind erst Aerith und die anderen im Regen. Dann erscheinen Cloud und Zack, gehen an ihnen vorüber und in dem Moment blendet die Szene über in das helle Licht. Ich halte das für einen klaren Hinweis auf den Lebensstrom.

Advent Children - Abschied von Aerith & Zack Intermission - Zacks Rückkehr

Advent Children - Cloud & Tifa Unterbewusstsein. Cloud & Real-Cloud oder Cloud & Zack?

Auch das Wetter könnte hier einige Hinweise zu geben.
In CC begann Zacks Kampf bei Sonnenschein. Die Szene seiner Niederlage findet sowohl in CC als auch im OG im Regen statt.
In Remake sehen wir Zack nur im Sonnenschein – auch am Ende seines Kampfes.
Doch er schleppt Cloud im Regen gen Midgar (wie in CC und OG).

Im Lebensstrom scheint also bisher nur Sonnenschein zu herrschen ;)
Daher glaube ich, dass der Weg nach Midgar teilweise Clouds Erinnerungen entspricht (oder das Wetter einfach das in Aeriths aktueller Realität wiederspiegelt). Cloud erinnert sich an den Regen. Und ich glaube auch, dass Zack in gewisser Weise tatsächlich bei ihm war. Nicht physisch – aber auf der Lebensstrom / geistigen Ebene als ein mentaler Beistand. Cloud hat sich seit Monaten auf Zack verlassen. Er war wegen seiner Mako-Vergiftung so weggetreten, dass er vieles nicht mitbekommen hat. Zack hat ihn den ganzen Weg seit Nibelheim getragen, ihm Geschichten erzählt. Cloud wird auch nach Zacks Tod an Zack und Zacks Worten festgehalten haben, vielleicht mehr denn je, – und darum sehen wir hier beide zusammen. Es ist sozusagen mehr ein Symbol als Realität. Und wer weiß? Womöglich hat Cloud es überhaupt nur zurück nach Midgar geschafft, weil er Zacks Geist an seiner Seite hatte?

Dass Cloud Zack tatsächlich an seiner Seite hat, ist ein elementarer Punkt der FF7-OG-Storyline. Cloud setzt seine eigene Vergangenheit aus Zacks Geschichte(n) zusammen. Er hält sich teilweise selbst für Zack. Er imitiert seine Art zu sprechen, sich zu bewegen und zu kämpfen – das ist in Remake auch gut zu sehen (hier fehlt der Link zu einer Webseite, die beide Charaktere aus CC und Remake nebeneinandergestellt hat .. ich finde sie gerade nicht wieder ^^‘). Cloud kann in seinem Zustand keine klare Linie ziehen zwischen sich und Zack. Tifa spürt die Unterschiede, auch wenn sie diese darauf schiebt, dass sie Cloud lange nicht gesehen hat. Doch ich bin mir sicher, Aerith weiß in Remake genau um Clouds Zustand. Und in ihrer Szene in Kapitel 14 spricht sie ihn auch recht deutlich darauf an („All Deine Gefühle wären Einbildung“).

Doch wie lange bleibt diese Verbindung bestehen? Nun, Cloud findet mit Tifas Hilfe im Lebensstrom wieder zu sich selbst. Allerdings hat er Zack noch bis weit darüber hinaus an seiner Seite. Auch in AC verleiht Zack ihm Kraft und Zuversicht im Kampf. Advent Children - Abschied ... für immer? Ich bin nicht ganz sicher, doch ich hatte bisher Zacks und Aeriths Abschied am Ende von AC immer als „ich akzeptiere ihren Tod und kann nun mein Leben leben“ interpretiert. Und könnte mir vorstellen, erst dies ist der endgültige Abschied von Zack aus Clouds Geist. Natürlich kann man die Menschen, die gestorben sind, weiter im Herzen und bei sich tragen. Doch etwas an diesem Abschied fühlte sich für mich … endgültiger an als vorher.
Und ich bin sehr gespannt, wie Remake mit dieser engen Verbindung der Drei umgehen wird.

Jedenfalls – wenn die „Zack-trägt-Cloud-Szene“ im Lebensstrom stattfindet, würde dies gleichzeitig jegliche Zeitdifferenzen erklären. Der Lebensstrom ist immer. Er enthält Erinnerungen an Vergangenheit, Gegenwart & Zukunft. Und Erinnerungen lassen sich jederzeit abrufen.
Es existieren in gewisser Weise also tatsächlich verschiedenen Zeiten und miteinander verbundene Erzählebenen – die aber nichts mit Zeitreisen, Timelines oder Multiversen zu tun haben. Es geht einzig und allein um den Lebensstrom.

Leben und Lebensstrom – Realität und Erinnerung

Hier wird es jetzt etwas schwieriger mit der Deutung, einfach weil es zu viele Möglichkeiten ohne klare Hinweise in irgendeine Richtung gibt. Ich werde versuchen ein paar davon aufzuzeigen, vielleicht hat ja von Euch jemand eine Idee, wie es am ehesten sein könnte?

Aus der Erinnerung in die Realität?Reden wir über Erinnerungen.
Sephiroth will nicht länger „nur eine Erinnerung sein“. Bedeutet übersetzt => er will nicht länger nur im Lebensstrom existieren. Jenova hatte die Fähigkeit, Erinnerungen eine Form zu geben. Ist es Zufall, dass Sephiroth ausgerechnet vor Jenovas Körper im ShinRa HQ auch von den anderen Party-Mitgliedern wahrgenommen werden kann, obwohl er bisher einzig in Clouds Visionen und Erinnerungen existierte? Hat er damit schon eins seiner Ziele erreicht?

Und wenn das Midgar, in das Zack zurückkehrt, jenes aus seiner Erinnerung ist, wenn es sich mit dem in der Singularität deckt und mit dem aus OG … was bedeutet das?
Ich könnte mir vorstellen, dass dann alles, was in OG bis DoC stattgefunden hat, tatsächlich „nur“ eine Erinnerung des Lebensstroms war. Ab dem Moment, in dem Sephiroth Teil des Lebensstroms wurde, seit Cloud ihn hineingestoßen hat, war Sephiroth in ihm gefangen. Versiegelt, vielleicht sogar durch die Whisper. Im Lebensstrom offenbarte sich ihm das Schicksal des Planeten, das, was wir in der der Handlung des Final Fantasy VII Originals und den folgenden Compilations miterlebten. Und in Remake haben sich die Whisper alle Mühe gegeben, diesen Weg zu erhalten. Doch Sephiroth spielt das Spiel nicht mehr mit. Er hat es satt „nur eine Erinnerung zu sein“. Er sucht einen Weg hinaus.

Sephiroth befreit sich aus seinem Gefängnis?Und dadurch, dass wir für ihn die Whisper zerstört haben, haben wir den vorgezeichneten Weg zerstört. Wir haben das Schicksal geändert.
Das bedeutet, ab jetzt KÖNNTE vieles anders ablaufen als im OG. Sephiroth z.B. sollte wissen, dass er Aerith nicht töten darf, dass ihr Tod seinen Untergang bedeutet.
Doch vielleicht halten uns jetzt nicht die Whisper, vielleicht hält uns Aerith auf der Spur? Es könnte noch immer alles genau so enden, wie OG endete. Vielleicht schlägt die Handlung zwischendurch andere Bögen, immer dann, wenn wir vom Pfad des Planeten abkommen. Doch wir könnten immer auf ihn, den Weg des Originals, zurückgeführt werden.

Ich halte btw auch den umgekehrten Fall für möglich – dass OG geschehen ist, wie es geschehen ist, und Remake eine Neukonstruktion dieser Erinnerungen ist. Ich weiß nur nicht recht, wie man dann mit der neuen Erinnerung die Realität überschreiben können sollte. Oder ob man das überhaupt tun muss? Vielleicht wird etwas automatisch zur Realität, wenn möglichst viele Menschen es für wahr erachten? Mutter Jenova kann Erinnerungen Gestalt geben – aber den Erinnerungen eines gesamten Planeten? Ist es das, was mit Terra-Corruption gemeint ist? Oder halte ich zu sehr an meinem Realitätsdenken fest und es gibt gar keine klare Grenze zwischen dem Lebensstrom und der „wahren Welt“? Oder kommt hier Chadley mit seiner virtuellen Realität ins Spiel? Will Hojo durch ihn die Realität mit einer VR überschreiben? Oder ist es tatsächlich seine Aufgabe, Jenovas Fähigkeit zu imitieren und aus Erinnerungen Realität zu schaffen? Es gibt einfach unzählige Möglichkeiten.

Mir jedenfalls gefällt der Gedanke, dass es sich bei Final Fantasy VII Original um eine Erinnerung oder „Das vorherbestimmte Schicksal“ handelt, am besten. Allein, weil es auch auf der Meta-Ebene klasse wäre – denn immerhin ist OG für uns alle eine Erinnerung. Es würde das Original für immer als das, was es ist, erhalten, und es wäre (beinahe) egal, wie das Remake weitergeht und endet – denn es würde unsere Erinnerung nicht negieren, sondern sie als solche benennen und ehren. Es würde OG als das Schicksal anerkennen, das sich durch Sephiroths Eingreifen verändert hat. Doch ob Sephiroth sein Vorhaben gelingt, ob wir seine Pläne vereiteln oder das Schicksal sogar zu einem Besseren wenden können … all das kann in diesem Fall nichts daran ändern, dass OG ist, was es ist: Bestimmung.
Und dies wirft nochmal ein besonderes Licht auf die aktuelle Aussage von Hamaguchi. Er sagte im Gespräch mit IGN „… Für den nächsten Teil (von Remake) ist es von größter Wichtigkeit, nicht die Erinnerungen an das Quellmaterial zu beschädigen …“ ^^

„I am reminded that for the next installment, it’s of utmost importance not to damage the memories from the source material while reimagining it so it surpasses people’s expectations.“

(Bin ich die Einzige, die ihre wahre Freude an diesen Wortdeutungen hat? Bestimmt nicht, oder? :D )

Biggs

Ich könnte mir jedenfalls vorstellen, dass alle Unterschiede, die wir in den Designs erleben, auf den Unterschied Lebensstrom/Erinnerung vs Realität zurückzuführen sind.
Die Kirche, Midgar … vielleicht sogar Stamp (doch der ist noch ein Thema für sich, auf das ich hier nicht näher eingehen werde – dazu haben andere bessere Ideen ^^). Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Szene am Ende, in der das „zu wenig defekte Schild“ aufgestellt wird, ebenfalls eine Lebensstrom-Szene sein könnte. Immerhin regnen auch hier die goldenen Whisper/Seelen Splitter vom (strahlend hellen) Himmel, genau, wie bei Zack auf der Anhöhe vor der Stadt.

Und die Symbolik in der Szene spricht Bände:

Reunion

Mädchen in Rosa in inniger Wiedervereinigung mit einem struppigen Hund? Während zwei Jungs und ein Mädchen an beiden vorüber und weiter laufen? … Oder interpretiere ich da zu viel hinein? Mich erinnert es einfach an das Symbolbild von Cloud und den Avalanche Katzen vor Jessies Haus ^^‘

Avalanche Katzen Cloud Katze

Für den Lebensstrom spricht an dieser Stelle, dass – wenn wir im Anschluss an diese Szene von Sektor 7 zu Sektor 5 schwenken, dort ebenfalls die goldenen Funken zu sehen sind. Und hier geschieht etwas Außergewöhnliches: Wir werden Zeuge, wie EIN EINZELNER dieser Funken im Körper des ohnmächtigen Biggs verschwindet – genau in der Sekunde, bevor er erwacht.
Könnte dies vielleicht darauf hinweisen, dass auch Biggs nicht, wie wir bisher angenommen haben, überlebt hat, sondern er (und vielleicht auch Jessie) gemeinsam mit Zack vom Lebensstrom „rekrutiert“ wurde, um in ihm, bzw. auf dieser Ebene der Existenz, in den Kampf gegen Sephiroth zu ziehen?

Biggs wird erweckt?

In der nächsten Szene sehen wir dann Marlene – nur wenige Meter von Biggs entfernt in Aeriths Haus. Bei ihrem Blick aus dem Fenster existieren die goldenen Splitter nicht – sie sieht stattdessen die gelben Blütenblätter durch die Luft wirbeln … Also könnte dies wieder die Ebene der Lebenden sein.

Whisper Regen über Sektor 7Für mich ist es vorstellbar, dass die Szenen mit dem Glitzer und den „alten Designs“ den Lebensstrom darstellen. Die Szenen ohne den Glitzer die Realität. – Doch natürlich könnte es auch ganz anders sein. Pro: In beiden Szenen ist kein Himmel, nur helles Licht zu sehen. Doch das kann auch an der Perspektive liegen. Stutzig macht mich hingegen zB. Marle, die bei den Aufräumarbeiten in Sektor 7 zu sehen ist, die wir aber nach dem Fall der Platte noch lebendig angetroffen haben. Natürlich könnte sie auch später gestorben sein und nun im Lebensstrom existieren, doch … können vielleicht auch einfach beide Welten nebeneinander bzw. sich überlappend existieren? Könnten sie sich überschneiden und werden je nach Ebene, auf der man sich befindet, unterschiedlich wahrgenommen?

Die zerknickten Blumen

Ich möchte an der Stelle zu Zack in die Kirche zurückkehren. Zur letzten Szene, in der wir den Shot auf die zerkickten Blumen sehen und er so seltsam fragend „Aerith?“ sagt.

Intermission - Zack und die Blumen in der Kirche

Was bedeutet das? Was sieht Zack in diesem Moment?
Nun, ich habe eine Theorie gehört, die besagt, dass Aerith hier bereits tot ist, und die Menschen deswegen in der Kirche klagen, doch dafür gibt es – meiner Meinung nach – keine Anhaltspunkte.
Dennoch halte ich diesen Moment für wichtig. Zuerst dachte ich, er soll uns einfach nur zeigen, dass Aerith nicht mehr da ist und daher die Blumen nicht umsorgt werden. Doch sie sind ja nicht verwelkt – sie sind zertrampelt und zerdrückt.
Mein erster Gedanke dazu war, sie sehen vielleicht so aus, weil Zack sich eben so an sie erinnert. Wenn die Kirche die aus seiner Erinnerung ist, warum dann nicht auch die Blumen? Seine wertvollste Erinnerung ist doch sicherlich die, wie er in die Blumen gestürzt ist und Aerith kennengelernt hat. Daher kann ich mir das als Erklärung noch immer gut vorstellen.

Doch was mich etwas stutzig macht, sind die Stiefel, die man in der letzten Aufnahme in den Blumen stehen sieht, und die verdächtig nach Soldier-Stiefeln aussehen. Die Perspektive ist nahezu identisch mit der, in der wir Zack zum ersten Mal in Remake antreffen, vor seinem letzten Kampf. Okay, wir konnten vorher zwei Kinder im Beet hockend beobachten, doch so recht mag deren Kleidung für mich nicht mit der Nahaufnahme der Stiefel zusammenpassen. Ich dachte also, vielleicht liegt dort noch jemand in den Blumen, der dann erst während des Perspektivwechsels aufsteht? Wer könnte das sein?

Natürlich gäbe es diverse Möglichkeiten – angefangen mit der, dass ich mich täusche und dass es bloß die Schuhe der Kinder sind.
Doch ich habe auch überlegt, dass Zack hier vielleicht sich selbst sehen könnte. Wäre es nicht denkbar, dass er zu einem wichtigen Moment in seiner Erinnerung zurückgekehrt ist, dem Moment, in dem er Aerith kennenlernte, und dass er dadurch, dass er sich selbst in dieser Erinnerung sieht, erkennt, dass er nicht mehr am Leben ist?

Cloud im BlumenbeetAlternativ könnte ich mir auch vorstellen, dass es Clouds Stiefel sind. Dass Zack vielleicht sogar Cloud und Aerith beobachtet, in dem Moment, als Cloud durch das Kirchendach krachte. Einfach deshalb, weil Zack nach seinem Tod so eng mit Cloud verbunden ist, und – wie wir es zuvor beim „Weg nach Midgar“ gesehen haben – immer bei ihm ist. Vielleicht sieht er aus dem Lebensstrom heraus das, was in der Realität um Cloud herum passiert. Vielleicht soll es uns deutlicher machen, wie sehr die beiden verbunden sind oder wann Cloud das „Zackverhalten“ zeigt oder wann Aerith Zack in ihm wahrnimmt?
Ich könnte mir auch vorstellen (ich erwähnte es oben bereits) dass diese Szene direkt an die anknüpft, in der der ohnmächtige Cloud nach dem Sturz aus dem Reaktor mit seinem Unterbewusstsein kommuniziert – oder in diesem Moment Worte abruft, die Zack während ihrer Flucht aus Nibelheim zu ihm gesagt hat.

Wie gesagt – bloße Theorie. Doch beide Szenarien könnten darauf hinweisen, dass beide „Welten“ so ineinander verlaufen, dass bestimmte Personen beide Ebenen wahrnehmen können. Aerith kann deutlich Treffen hier Realität und Lebensstrom aufeinander?spüren, was im Lebensstrom vor sich geht. Sie nimmt die Bedrohung durch Sephiroth und Jenova wahr, sie redet mit den Whispers, spürt Zack. Warum also sollte nicht auch Zack aus dem Lebensstrom heraus teilweise in die Realität blicken können? Zumindest an Orten oder in Momenten, in denen ihm nahestehende Personen auch stark mit ihm verbunden sind?

Veränderung – The unknown Journey

Goodbye, City of MakoDoch ihr merkt schon – all das enthält wieder viele Vielleichts, zahllose Möglichkeiten und strotzt nur so vor Konjunktiven.
Auch wenn ich mir in einigen Punkten sicher bin (z.B. darin, dass Zack tatsächlich tot ist und es keine abgefahrene Timeline-Multiverse Story geben wird), können sie sich dennoch als Blödsinn herausstellen. Und neben den großen Fragen gibt es noch zahllose kleine Dinge, über die wir nur spekulieren können, die noch immer offen sind und sich in diverse Richtungen entwickeln können.
Wir könnten noch intensiv über Chadley sprechen. Über Stamp, die Whisper, Hojo, Weiss, Genesis … Wir könnten Yuffies Story diskutieren, Wutais Weg hinterfragen oder mutmaßen, was als Nächstes kommen wird. Natürlich habe ich Gedanken dazu. Ich bin mir z.B. relativ sicher (oder finde den Gedanken jedenfalls phantastisch!), dass Remake Teil 2 mit einem Cloud/Sephiroth Flashback beginnen wird. Oder mit einem Zack-Abschnitt, aber ich glaube, den Gefallen werden sie uns nicht tun. ;)
Allerdings habe ich nun schon wieder Wochen an diesem Text gesessen – und irgendwann ist es einfach gut. Es gibt so viele tolle Videos auf Youtube zu dem Thema – schaut sie Euch an! Ich empfehle nach wie vor Sleepezi und sein Auge für Details ^^
Und erzählt mir doch gern von Euren Gedanken & Theorien?

Mir bleibt an der Stelle nur zu sagen, was ich im letzten Jahr schon sagte: Ich bin beeindruckt. Ich bewundere Square dafür, wie sie das Interesse an einem über 20 Jahre alten Spiel derart anfachen konnten und uns im Dunkeln tappen lassen – obwohl noch immer die Chance besteht, dass sich insgesamt gar nicht viel geändert hat. ICH LIEBE ES!

Natürlich respektiere ich die Meinung derer, die Remake nicht mögen. Allerdings teile ich die meist gelesene Argumentation „es ist ja alles anders“ überhaupt nicht. Für mich hat sich Final Fantasy VII ehrlich gesagt nicht verändert. Remake ist genau so, wie ich Final Fantasy VII immer wahrgenommen habe. Es zeigt nur manches klarer, macht kleine Schlenker und ergänzt, was wir bisher zwischen den Zeilen lesen mussten. Es lässt die Welt so viel realer und lebendiger wirken und haucht allem so viel mehr Leben ein, dass man die Welt beinahe fühlen und sie vor allen Dingen glauben kann. Egal wie skeptisch ich im Vorhinein gewesen sein mag: Ich liebe auch nach dem DLC noch immer jeden Augenblick.

Remake - Grenzenlose Freiheit

Ja, auch ich sehe noch die Chance, dass Square die Sache verbockt. Wenn am Ende tatsächlich eine „hier … bla … x Timelines, in dieser lebt Zack, in jener lebt keiner und in der alle außer Cloud, aber egal, weil in irgendeinem Universum sind am Ende eh alle glücklich und zufrieden“-Geschichte daraus wird – dann bin ich raus.
Ich glaube auch, dass sie das Mysterium um Zack nicht über x weitere Spieleenden mitschleppen sollten. Es muss nun langsam, Stück für Stück, aufgedeckt werden. Sollte es bis zum Ende zu vage und uneindeutig bleiben, dann würden das die Erwartungen für die Auflösung in schwindelnde Höhen schrauben – die dann leicht in eine derbe Enttäuschung umschlagen könnten. Ich halte es für wichtig, eine Intention rechtzeitig anzuzeigen – und sei es nur durch Andeutungen. Ansonsten wären wir wieder bei schlechten Storytelling – allerdings sehe ich die Gefahr hier wirklich nicht. Im Gegenteil. Remake macht so vieles so verdammt richtig.
Und im Grunde gibt es ja noch mehr als Zack, was Remake geheimnisvoll und spannend macht.

»Das Schicksal scheint stärker als der Tod«, sagte Nanaki, nachdem die Whisper Barret wiederbelebt haben. Wer weiß? Vielleicht gilt dies auch umgekehrt? Kann das Schicksal stärker sein als das Leben?

Wir lesen uns zu Remake Teil 2!
Ich freue mich jedenfalls, alle zukünftigen Abenteuer und Geheimnisse von Final Fantasy VII Remake zu erleben und zu entdecken.

Danke für Eure Aufmerksamkeit und – wir lesen uns wieder nach Part 2! =)

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Alle Grafiken und die Marke „Final Fantasy“ unterliegen dem Copyright von Square Enix.

3 Responses to Final Fantasy VII Remake Intermission – Zack Theorien – Das Ende und was es (vielleicht) bedeutet. SPOILER!

  1. […] you prefer the German version of this text: go here. I am still in the process of finding and eliminating possible errors in the language. Please be […]

  2. […] Wie schon zu Final Fantasy VII Remake habe ich mittlerweile auch zum Ende von Intermission meinen sehr spoilerlastigen Theorie-Beitrag fertig. Zu lesen gibts ihn wieder nebenan im Blog: […]

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