Sinkflug

Nichtmal ich kann soviel essen, wie ich grad kotzen möchte…

Da blättere ich gelangweilt zum abendlichen Abschalten noch fix durch unser Käseblättchen und kann es nicht fassen: „Das Paket des Grauens“, so springt mir eine Überschrift entgegen..
Definitiv. Grauen ist gar kein Ausdruck.

Also lese ich mich durch das gesamte HSK der Stadt Wuppertal. Da muss doch auch irgendwo etwas vernünftiges stehen?!
Ich möchte schreien.
Freibäder dicht machen, Schwimmbäder dicht machen, Stadtteilbibliotheken schließen, Einsparungen bei den Erziehungskosten, sprich vermutlich weniger Personal in den KiTas oder gleich noch weniger KiTas? Schließungen von Grund- und Hauptschulen, Reduzierung der Bezuschussung der Wuppertaler Bühnen, mit Konzequenz der Schließung des Schauspielhauses. Höhere Beiträge für KiTas, die Bergische Musikschule wird teurer, ebenfalls der Zoo…. Blablabla.

Ja, ich weiß, dass es auch am System liegt. Ich weiß, dass man einen Betrag A für z.B. Kultur bekommt und einen Betrag B für den Straßenbau und dass das Geld nicht in den Ressourts hin und her geschoben werden kann. Und das macht mich so wütend! Wieso können wir nicht auf diesen dämlichen Ausbau des Döppersberg verzichten und das damit gesparte Geld in den Erhalt der Büchereien und Schwimmbäder stecken??? Ich – verstehe – das – nicht – ! ! !

Die Maßnahmen des HSK seien „verantwortbar“ steht es auf Seite 8 der Präsentattionsfassung. Zu den prägenden Leitgedanken gehöre Sozialverträglichkeit, sagt Seite 11…

Ehrlich? Seh ich nicht.

Ich sehe, dass die Politik 340.000 Euro *uuuuh* sparen soll, und dagegen diese immens hohen Zahlen aus dem Bildungs- und Kultursektor, die sich seitenweise addieren, addieren, addieren und mir wird einfach nur schlecht.
Ich weiß wie es hier teilweise aussieht. Wir wohnen in keiner schönen Ecke, der Schatz und ich. Die Jugendlichen haben doch heute schon nichts zu tun und hocken gelangweilt bis pöbelnd auf den Parkbänken. Viele von denen, die mit dem Schatz die Schule besuchen, um die Fachhochschulreife nachzuholen sehen heute schon keine Perspektiven mehr für sich.

Und ich? Sehe immer weniger Perspektiven für Simon.
Ich wollte nicht, dass er Berlin aufwächst. Ich wollte ihn hier wissen. Hier, wo es noch nicht ganz so „großstädtisch“ zugeht. Wo es in einigen Randgebieten noch die schöne heile Welt gibt, zumindest wenn man die Ohren für eine Weile fest verschließt.
Und jetzt? Die weitere Reduzierung der kostengünstigen, für alle zugänglichen Bildungsangebote. Immer weniger Freizeitangebote. Nahezu keine bezahlbaren Freizeitangebote.
Heute jammern doch schon alle, dass die „Jugend“ [ja, ich verallgemeinere] nichts mehr lernt und keine Beschäftigung fernab des PCs oder Fernsehens kennt. Und dann wird genau an dem Ende wieder gespart?
Welche Eltern sind auf die KiTas angewiesen?! Es sind doch vorallem die sozial Schwächeren, die die Möglichkeit der Kinderunterbringung wirklich brauchen, damit beide Elternteile arbeiten gehen können?! Wo sollen denn da noch mehr Kröten zusammen gekratzt werden um höhere Beiträge zu bezahlen? Das man nicht mehr ohne Auto oder Fahrkarte die Bibliothek besuchen kann, der Zoobesuch wegen der hohen Eintrittspreise auch wieder einen Monat nach hinten geschoben werden muss und man auch nicht ins Schwimmbad mag, weil die verbliebenen Hallenbäder überfüllt sind, das kommt als Sahnehäubchen noch dazu…
Abwechslungsreiche Gratis-Unternehmungen wie ein Ausflug ins Naherholungsgebiet Scharpenacken fallen ja auch flach, dort weicht die Natur gerade der neuen JVA.

Aber, ist ja nicht alles so übel, es soll ja auch anderweitig Geld in die Kassen kommen: Mehr Parkscheinautomaten, mehr Geschwindigkeitskontrollen… – Ja, wenn sich noch genügend Leute ein Auto leisten können…?!

Wenn das mal nicht wirklich die lange beschworene Abwärtsspirale ist. Wenn sich da mal nicht einige verrechnet haben. Wenn das mal gut geht…

Mir ist ganz, ganz schlecht.

8 Responses to Sinkflug

  1. Sascha sagt:

    „Wieso können wir nicht auf diesen dämlichen Ausbau des Döppersberg verzichten und das damit gesparte Geld in den Erhalt der Büchereien und Schwimmbäder stecken???“
    Genau das wird gerade in Karlsruhe diskutiert. Geplant ist hier die Straßenbahn, die seit es sie gibt durch die Kaiserstraße (Haupt-Einkaufsstraße) fährt, für ein gewisses Stück zur U-Bahn zu machen. Das ganze Projekt kostet 1 Million Euro.
    Die Unterschriftenaktion gegen die Sache hat zwar fast 30.000 Unterschriften (bei 100.000 Einwohnern), kommt aber zu spät, sei von der Form nicht korrekt, … aus irgend einem Grund kann sie nunmal nicht beachtet werden.
    Statt dessen finde ich im Briefkasten einen Flyer, der „falsche Behauptungen“ aufklärt.
    Das Projekt kostet ja gar nicht 1 Mio., weil der Bund den Großteil zahlt… weg ist es trotzdem. Und wie du schreibst: Das Geld kann gar nicht in Bildung investiert werden, nur in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs… warum? Ergibt einfach keinen Sinn :/

    Gut die Uni Karlsruhe hat spätestens seit der Umwandlung zum KIT ein sehr ordentliches Jahres-Budget (und trotzdem stürzen Hörsääle ein …), aber mein Abitur ist noch nicht so wahnsinnig lange her als dass ich mich nicht an unmotivierte und überforderte Lehrer, mangelhafte Lehrmittel, zu volle Klasse, usw. erinnern könnte.

    Irgendwann in naher Zukunft muss einfach ein Umdenken erfolgen. Ideen gibt es ja genug.

  2. Mi sagt:

    Ich glaube es gibt noch viel mehr Beispiele, in denen teure Bauprojekte Bildung und Kultur vorgezogen werden. Ganz schlimm. Von den Unis brauchen wir gar nicht reden. Ich erinnere mich noch gut an 150 Germanisten, die Versuchen der Vorlesung in einem 30 Mann-Klassenzimmer zu lauschen, während mir ein Bekannter erzählt, in deren mehrere hundert Leute fassendem Chemiehörsaal säßen 8 Männeken….

    Ja, es MUSS ein Umdenken erfolgen. Dringend. Problem daran ist glaube ich, dass der eine Bevölkerungsteil das Denken bereits eingestellt hat, es dem nächsten Teil egal ist und es einem weiteren Teil einfach noch zu gut geht, so dass sie von alledem nichts mitbekommen. Wenn wir Pech haben, müssen wir auf das „Denken“ noch eine ganze Weile warten…

  3. Benji sagt:

    Ich kann deine Wut verstehen – vor einer weile war ich auch noch wütend darauf. Inzwischen ist es mir fasst schon gleichgültig. Das hängt mit 2 Dingen zusammen:

    a) ich habe noch keine Kinder um dessen Zukunft ich mir gedanken machen muss
    b) interessiert mich das wohl des deutschen volkes inzwischen einen scheiß. wenn die geliebte gewählte regierung eh machen darf, was sie will – ohne dabei auch nur ansatzweiße ein versprechen ihrer wahlbotschaft einzuhalten vermag – hey warum soll ich mir dann den kopf darüber zerbrechen?
    damit lehne ich es nicht ab, selbstständig zu denken oder mir meinen teil über die politik zu bilden – nur warum soll ich energie darein stecken, wo sie absolut verschwendet ist?

    im prinzip braucht man heutzutage einen a.hitler, der sich hinstellt und das ganze system über nacht einfach mal kippt. man muss wieder von 0 anfangen können. das problem ist, das der deutsche an seiner geschichte hängt, mit seiner geschichte hängen schulden und verpflichtungen zusammen die zuerst weltweit, danach eu-weit und zu guter letzt dem deutschen volke eingehalten werde. problem ist nur, das bereits nach den ersten beiden punkten kein geld mehr vorhanden ist.

    also – warum darüber aufregen? warum sich nen dicken hals machen und die stimmung im eigenen heim so tief senken?

    — um simon würde ich mir nicht so viele sorgen machen. die schulen werden nicht ausstreben – evtl wird er türkisch als hauptstprache bekommen – du kannst immerhin sagen, er ist der brd-sprache mächtig – das ist doch was?
    und so schlimm es auch klingen mag, das computer-zeitalter und wikipedia ersetzen jede auch nur erdenkliche bibliothek – wobei ich auch lieber ein buch in der hand habe als ein pdf – btw pdf reader … ein geburtstagsgeschenk zum 10jährigen? ;)

    ok, vieles was ich gerade geschrieben habe, ist übertrieben … im endeffekt ist es aber wirklich unnötig sich darüber aufzuregen, es ändert sich eh leider nichts, egal wieviel wut man darein steckt.

  4. Mi sagt:

    Ich glaube genau das ist der Fehler!
    „Ich kann es ohnehin nicht ändern, wieso es also versuchen!“
    Das ist die Stimmung, die heutzutage herrscht, und wenn jeder so vor sich hindümpelt [das ist jetzt allgemein gemeint, ich möchte nicht sagen, dass Du dümpelst], weil es ihn ja direkt nicht betrifft, dann wird sich auch nichts ändern.

    Ich ziehe gerade in Erwägung einer Partei beizutreten :mrgreen:

    Zum Wissen im PC… Nein, ich glaube es ersetzt die Bibliothek nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Dinge, die ich online gelesen habe sich lange nicht so „verinnerlicht“ haben, wie Geschriebenes. „Man hats halt mal irgendwo gelesen“. Richtig manifestiert hat es sich nicht.

  5. Benji sagt:

    Aber genau darum get es ja, es soll sich nicht mehr manifestieren. Das „neue“ Zeitalter geht davon aus, das wissen sofort abgefragt werden kann und nicht aus dem Gedächnis gekramt werden muss.
    dank mobilem internet braucht man keine bilbiothekt mehr, wozu hinsetzen und lesen wenn ich die fakten innerhalb weniger minuten auf meinem handy habe?

    naja, das ist jedenfalls die oberflächliche begründung dafür, es so zu handhaben – ich teile diese meinung (noch) nicht.

    naja, blick doch mal auf die jahre zurück. es waren jetzt wieder wahlen und die wählerschaft ging eindeutig zurück, genauso wie die letzten jahre. auch der machtwechsel und der koalitionswechsel hat in diesem und in den anderen jahren FÜR das volk rein garnichts gebracht. selbst als man noch wählte ging es einem scheiße.

    welche perspektive hat man, wenn man wählen geht und versucht etwas zu verändern? was soll ich mir davon erhoffen wenn ich partei X meine stimme gebe?

    das problem ist nicht, das aufstehen und hingehen zur wahl/demonstation/etc … es ist die fehlenden motivation auf langzeit.

  6. Mi sagt:

    Also braucht bald auch kein Kind mehr Laufen lernen, da es ja eh nur noch am PC sitzen muss? Merkwürdige Denkweise…
    Nicht falschverstehen, Du kennst mich, Du weißt ich LIEBE das Internet ;) Und ich finde es toll, mal fix irgendwo etwas abfragen zu können. Aber wenn mich etwas wirklich interessiert, dann will ich es eben nicht nur schnell nachschlagen, ich möchte es WISSEN, im Kopf behalten. Und paltz für viel mehr Bücher gibt es in dieser Wohung nicht [ganz zu schweigen von den Anschaffungspreisen]. Wo soll ich denn lesen gehen, wenn nicht in der Bibliothek?

    Was das Wählen angeht. Du sagst es. Die Wählerschaft geht zurück. Diejenigen die Wählen gehen… Nun wir wissen, wie die gewält haben, nech? Ich glaube, wenn der Rest mal begreifen würde, wieviel sie als Gemeinschaft bewegen könnten, sähe ein Ergebnis anders aus. Ich gehe einfach davon aus, dass ein CDU Wähler in seinem Wahlrecht eine Wahlpflicht sieht, während ein alternativerer Teil sich eben genau wie Du denkt „wozu denn, es ändert sich ja nichts“. Wenn wir eine Wahlpflicht hätten, und alle 100% wählen müssten.. ich wäre SEHR gespannt auf das Ergebnis. Und ich glaube einfach nicht, dass es dem letzten Wahlergebnis ähneln würde.
    Vielleicht wird genau deshalb keine Wahlpflicht eingeführt…? ^^

  7. Benji sagt:

    Ja – nur was wilst Du wählen, wenn keiner der Politiker die Macht dazu hat, etwas zu verändern?

    All unsere Gesetze und Regelungen über Gehälte, Krankenkasse, etc,etc sind so verankert, das keiner daran rütteln kann. Alles baisert auf der Agenda2010/2012/2014 … es wird so in die Jahre hinaus geplant, das jeder DEPP der sich da vorne hinstellt und sagt: ich verändere das land – einfach nur als lügner da steht.

    weißte, tag täglich verschenden politiker millionen an gehälter für security, autofahrer, begleitpersonal (friseur, einkleidung, anrufe entgegenehemen, etc) … DAS ist alles vorgesehen im haushaltsgeld – wenn es darum aber geht den bürger von heute zu unterstützen, dann ist es scheiß egal ..

    ach nun rege ich mich doch auf -.-

  8. Buchschreck sagt:

    alle regen sich auf, weil die Bildung immer schlechter wird, aber dann wollen sie Bibls schließen. Das is doch mist. Ich sehe so viele Kinder, die erst nur CDs oder Comics ausleihen und dann plötzlich anfangen richtige BÜcher zu lesen. Die kommen Mittags nach der Schule und gehen wenn wir zumachen. Die haben mehr Sachen auf ihrem Konto als manche Erwachsene je gelesen haben. Das sind Entwicklungen die wir da erleben. aber ich glaube, dem widme ich jetzt nen eigenen Blogeintrag..

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