Morgen
Donnerstag, 27. Oktober 2011Ein einzelner Sonnenstrahl dringt durch dichte Baumkronen und findet sein Ziel auf laubbedecktem Waldboden. In seinem Schein tanzen tausende winzigster Staubteilchen und entwerfen ein Bild des Friedens.
Die glatten, noch jungen Baumstämme des künstlich aufgeforsteten Buchenwaldes stehen hier nah beieinander, doch das Unterholz ist licht, die freie Fläche nur von rotgoldenem Laub und abgestorbenen Ästen bedeckt. Ich fühle die trockenen Blätter unter meinen bloßen Füßen kitzeln, höre sie bei jedem Schritt brechen und knistern. Die Kapsel einer Buchecker sticht wie zur Revanche in meine Ferse.
Ich genieße jeden Schritt, jeden Moment dieses Gefühls von Natürlichkeit um mich herum. Ich inhaliere tief und weiß, dass ich niemals eine vergleichbare Luft geatmet, nie gerochen habe, was ich wahrnehme: Frische und Kühle in den Lungen, ein erdiger, herber und gleichsam sanfter Geruch in meiner Nase. Ich möchte die Arme ausbreiten und fliegen, an einen Ort, an dem all dies ist, wie es ist.

Ist es zu fassen? Nach beinahe einem dreiviertel Jahr Lesezeit habe ich den über-1300-Seiten-Schinken endlich bezwungen! Falls diese lange Zeitspanne den Eindruck erweckt, das Buch hätte mich nicht gefesselt, so ist dies falsch! Doch erfordert “Endymion” einen wachen Geist und ungeteilte Aufmerksamkeit, die ich den Seiten einfach zu selten widmen konnte und vieles doppelt und dreifach lesen musste… O:)
Ich glaube, das ist so üblich in einer frischen Beziehung, oder? Man drückt dem neuen Partner sein Lieblingsbuch aufs Auge und bekommt dafür dessen Favoriten, sofern vorhanden [auf Grund dieses Rituals musste ich mir meinen "Drachenbeinthron" schon zwei mal neu kaufen...]. Aber nie hat mich meine geliehene Lektüre wirklich angesprochen. Bis der Schatz kam! [Schicksal? ^^] Er gab mir damals “Die Hyperion-Gesänge”, und trotz meiner ersten Skepsis und der prophylaktischen Äußerung “Ich steh eigentlich nicht so auf Science fiction…” habe ich die 1500 Seiten regelrecht inhaliert!