Richard Wright ist tot.
Meine Liebe zu “den Alten” habe ich definitiv von meinem Vater. Pink Floyd, Mike Oldfield…
“Die Alten”… 65… ist aber doch noch so jung…
Hier wird derzeit viel übers Sterben nachgedacht. Ich, heimlich für mich. Seit Simon da ist. Regelmäßig. Und gestern Nacht laut, mit dem Schatz, als der plötzlich angekuschelt kam und mir sagte, dass er Angst hat…
Ja, Sterblichkeit. Plötzlich ist man sich ihr so bewusst. Plötzlich, seit man Verantwortung für diesen kleinen hilflosen Menschen trägt. Mich überläuft morgens ein Schauer, wenn der Schatz das Haus verlassen hat und ich kurz darauf Krankenwagensirenen von der Hauptstraße höre.
Wenn ich mit Simon auf dem Arm die Treppe hochsteige überkommen mich manchmal kurze Gedankenblitze in denen ich fürchte, stürzen und Simon nicht schützen zu können. Oder beim Versuch ihn zu schützen selbst…
So langsam fange ich an, mir übers Abstillen Gedanken zu machen.
Wir haben uns zwar mittlerweile zusammengerauft, Simon und ich, so dass ich das Stillen nicht mehr als so anstrengend und schlimm empfinde wie anfangs. Aber trotzdem freue ich mich auf den Moment, an dem es vorbei sein wird, einfach, weil ich dann wieder etwas unabhängiger sein kann.
In der Zeit, als wir nur einen funktionstüchtigen PC hatten wars mir egal, dass der Schatz seine neuen WoW Charaktere auf meinem Account angelegt hat. Eigentlich ist es auch jetzt egal. Aber manchmal dann doch blöd.
Klar, ich kann ja auf seinem spielen… doch der wird plötzlich wieder von M. belegt…
Und weil jeder immer mal irgendwo gespielt hat, ist es nicht mal mehr möglich mit dem Char-Transfer jedem seine eigenen Charaktere zusammenzubringen. Und wer bleibt auf der Strecke? Wiedermal ich…
Klar, nicht schlimm, und so. Ist nur ein Spiel. Ich hab eh keine Zeit.
Aber was, wenn dann doch grade mal Zeit wäre? Dann komm ich mir vor, wie vor verschlossener Tür. Egal wie ungerechtfertigt das ist. Und ausserdem fühl ich mich bescheuert, weil ich mir wegen so etwas unwichtigem überhaupt wieder Gedanken mache. Schweige still, Kopf!
Ich komm irgendwie nicht hinterher. Morgen ist noch so weit und plötzlich schon gestern.
Gestern lagst Du noch hier, winzig, klein und hilflos. Heute liegst Du hier, nimmst alles um dich herum wahr, beginnst Dich fortzubewegen und zu kommunizieren. Und Morgen…? Ja, morgen wirst Du aufstehen und Deiner Wege gehen. Merkwürdig, ich fühl mich schon jetzt allein, wenn ich daran denke.
Und das andere Du? Du warst gestern noch gar nicht da, gehörst heute seit immer dazu und wirst morgen hoffentlich noch immer da sein. Immer… Bis wir dann übermorgen beide nicht mehr sind. Nur noch das kleine Du, was seiner Wege geht. Und ein Stück von Dir und mir in sich trägt.
Es regnet in Strömen. Irgendwie scheinen die Tropfen die Geräusche von draußen zu dämpfen, es ist außergewöhnlich still heute.
Nur der Regen rauscht und der kleine Schatz auf meinem Schoß sagt leise “heeej” und “maaamam”, während er an meinem T-Shirt lutscht und sich an mich kuschelt.
In dieser Stimmung stolpere ich über eine 3 Jahre alte Email.
Sie bringt mich noch heute zum Weinen, auch wenn Du es nie wirklich wahr gemacht hast.
Kann eine postnatale Depression so spät zuschlagen? Oder bin ich “einfach so” mies drauf?
Seit Montag könnte ich nur noch heulen. Das kleine Missverständnis war wohl der Auslöser, aber was ist dann jetzt noch los?
Ich bin total am Ende, weiß gar nichts groß mit mir anzufangen, würd am liebsten nur schlafen oder weinend im Schatz-Arm liegen, was aber natürlich alles wegen Simon nicht möglich ist. Ich kann mich nicht konzentrieren, meinen Kopf nicht ausschalten, und mich regt jedes Geräusch heute einfach nur auf. Was natürlich phantastisch ist, wenn man ein so fleißiges Rede-üb-Baby hier liegen hat.
Ja, doch, genauso fühle ich mich. Unfähig, das auszudrücken was ich sagen möchte. Nein, nicht hier. Hier schreibe ich genauso, wie ich reden würde. Einfach drauf los. Es muss keine Stilikone werden, muss nicht perfekt sein. Ich rede nur.
Aber wenn ich in anderen Blogs lese, und bei manchen Texten spüre, wieviel Herz darin steckt, und dann etwas dazu sagen möchte, zeigen möchte, dass es mir gefallen hat, nachfühlen kann, mitgelitten habe, oder oder… dann bin ich plötzlich wirklich wie die Axt im Märchenwald. Alles was aus mir herauskommt ist ein oberflächliches “BLUBB”.