Die Geburt

13. Februar 2008, 11:05 von Mi, in Simon, Schwanger mit

Simons Geburt kann man nur als traumatisch bezeichnen. Das war sie sicherlich für jeden von uns dreien. Für mich, weil ich den Scheiß einfach ertragen musste, für den Schatz, weil er nichts tun konnte als hilflos zuzusehen und sich seine Hand von mir zerquetschen zu lassen, und für unseren Kleinen, an dem nicht gerade zimperlich herumgerissen und gedrückt wurde…

Zur Erinnerung…: ich wollte eine NATüRLICHE Geburt. Ohne PDA… am liebsten in der Badewanne… Das was wir bekommen haben war… naja…

Also als kleine Warnung… wer in der nächsten Zeit entbindet oder etwas empfindlich ist, sollte das hier vielleicht eher nicht lesen. Unser Geburtserlebnis ist wahrlich keine gute Werbung fürs Kinderkriegen und auch “Du bist Deutschland!” könnte diesen Ablauf sicher nicht beschönigen…

Mittwoch, den 30. Januar kamen wir also zur Geburts-Einleitung ins Krankenhaus. Passiert ist zu dem Zeitpunkt nicht mehr als die normalen Aufnahmeuntersuchungen, und dann wurde ich gleich auf mein Zimmer gestopft, mit der Androhung, dass, wenn die Wehen über Nacht nicht stärker würden, am nächsten Morgen mit vaginalen Tabletten die Einleitung durchgeführt werden sollte.
Gesagt getan, Donnerstag früh um 8h bekamen ich und meine WoW-Bettnachbarin dieses fiese Zeug. Nachdem uns Horror-Geschichten von Sturz-Wehen erzählt wurden, waren wir leicht panisch, aber es passierte eigentlich nicht viel. Am späten Nachmittag wurden die Wehen dann stärker, und meine Bettnachbarin kam in den Kreißsaal. Meine Wehen waren ebenfalls stärker geworden, aber ich hing leider am kaputten Wehenschreibegerät und man sagte mir, dass es bei mir ja noch nicht so weit sei…
Abends um 10 durften dann auch der Schatz und ich in den Kreißsaal, aber ich war von den heftigen Wehen schon so geplättet, dass ich mich gegen den Wehentropf entschieden habe und wieder zurück aufs Zimmer wollte, um mich die Nacht über wenigstens ein bisschen erholen zu können und auch dem Schatz noch etwas Schlaf zu gönnen.

Während der Nacht wurden die Wehe dann immer stärker. An Schlaf war nicht zu denken, alle 10 Minuten standen mir die Tränen in den Augen. Ich war so froh am nächsten Tag von der Visite wieder ans CTG gehangen zu werden, doch wieder hatte ich Pech mit dem Gerät… ich hab mich gekrümmt vor Schmerzen, aber das Gerät behauptete, da wäre nichts…
Daraufhin wollte der Arzt mir NOCH so eine Tablette geben, da sich am Muttermund nichts getan hatte. Doch ich glaube, das hätte ich nicht gepackt. Ich hab mich beschwert, und daraufhin wurde noch ein weiteres CTG geschrieben, was die Wehen dann auch deutlich zeigte. *puha* Da wurde mir dann auch erstmals erklärt, das es normal sei, dass diese künstlichen Wehen verdammt weh tun, aber keinen Geburtsfortschritt bringen. Aha. Tolle Sache oder? Wir verursachen mal Schmerzen, und hoffen, der Körper macht den Rest dann doch von alleine…
Dummerweise ging es danach SOFORT in den Kreißsaal, so dass ich nichtmal mehr dem Spatz bescheid sagen konnte, das es nun losgehen sollte…

Mittlerweile war es Freitag, 10h früh… 26 Stunden nach der Einleitung, bereits ca. 19h Wehen….
Gegen Mittag kam der Schatz ins Krankenhaus, pünktlich zu meiner PDA [die, die ich nicht wollte, aber zu der man mir geraten hat… GUTE Entscheidung! Trotzdem hat meine Panik nach meiner Lumbalpunktion vor Jahren nicht gerade dafür gesorgt, dass ich diese Art der Betäubung entspannt über mich ergehen lassen konnte… Danach war ich schweißgebadet…] und wich von da an nicht von meiner Seite. Dafür bin ich ihm so dankbar…

Ab da hieß es warten… ich bekam die PDA regelmässig nachgespritzt, ein Mittel zur Kreislaufstabilisierung und den Wehentropf angehängt. Die Wehen wurden nur minimal stärker und der Muttermund ließ sich ebenfalls etwas Zeit. Aber unsere Hebammenschülerin war sehr sehr nett und ich hätte mir gewünscht, dass ihre Schicht nicht abends beendet gewesen wäre… ihre Pasuenvertretung war schon eine Katastrophe [deren Anwesenheit hat in mir Panik und Schüttelfrost ausgelöst, so inkompetent kam sie mir vor… erst recht nachdem sie in meinen CTG und Venentropf Kabeln hängenblieb und stolperte… -.- Dummes Kind!] und die Schülerin für den Endspurt war auch nicht der Renner, die schien mir nämlich gar nicht zuzuhören.

Gegen Abend - ich schätze einfach mal um 17h rum, ich hab bis dahin jedes Zeitgefühl verloren - war der Muttermund dann weit genug geöffnet und die eigentliche Geburt begann… Zur Erinnerung: 33 Stunden nach der Einleitung, bereits 26 Stunden Wehen…
Dummerweise lief genau zu dem Zeitpunkt die PDA aus, weil mein eneue Hebammenschülerin nicht auf das Zeitintervall geachtet hatte und ad hoc war niemad zum Nachspritzen in der Nähe. So erlebte ich genügend Geburtsschmerz ohne Betäubung, woraufhin ich wusste, dass ich DAS nicht ertrage.
Ich habe die Hebammenschülerin darauf hingewiesen, dass ich doch einen Kaiserschnitt möchte. Schließlich war unser “Kleiner” ja groß genug für soetwas. Sie ignorierte meine Bitte. Auch die wenig später auftauchende fertige Hebamme meinte, wir seien nun schon ohne Kaiserschnitt so weit gekommen, das sei nun absolut nicht mehr notwendig, der Rest sei ja ein Klacks.
Klacks. Haha…
Mir kommen jetzt noch die Tränen, wenn ich daran denke, wie hilflos ich mich in dem Moment gefühlt habe. Ich hab doch gemerkt, dass ich absolut keine Kraft mehr hatte…

Aber von da an ging es wirklich relativ zügig weiter. Die Schmerzen wurden unerträglich, aber der Knopf arbeitete sich vorwärts…
Um es kurz zusammenzufassen: Der Kopf blieb im Geburtskanal stecken, weil ich komplett entkräftet war und nicht stark genug mit pressen konnte. Daher versuchte man ihn mit der Saugglocke herauszuziehen… dummerweise blieb er dann mit den Schultern am Schambein hängen und man stellte ausserdem fest, das er von der Nabelschnur umschlungen wurde, was vorher auch keiner gesehen hatte, und uns auch niemand sagte. Um die Geburt weiter voranzutreiben, schmissen sich eine ärztin und die Hebamme auf meinen Bauch um von oben zu drücken, während unten weiter gezogen wurde. Um Simon mehr Platz zu verschaffen wurde der Damm eingeschnitten, was aber nicht viel gebracht hat, laut meinem Entlassungsbericht habe ich noch immer Risse 4ten Grades davon getragen, Zudem ist die Scheide 2x eingerissen, und der Muttermund kaputt gegangen…

Irgendwann - mir kam es vor wie Ewigkeiten später, ich bekam von der ganzen Sache nur mit, WIE weh es tat, dass die Hebammenschülerin mir sagte ich solle den Kopf auf die Brust legen, dass der Schatz meine Hand hiel und mir irgendwann zuflüsterte, dass man es nun wirklich sehen könnte, dass es nun wirklich nicht mehr lange dauern konnte und dass er weinte.. :/ - machte es ein erleichterndes “Flatsch” und man legte mir ein blutiges Bündel auf den Bauch.
Ich habs allerdings kaum wahrgenommen, denn ich sollte ja noch schnell die Nachgeburt rauspressen.. die wurde dann doch eher rausgeogen und… Tada: Sie war nicht vollsändig…
Aber das Baby wurde abgenabelt und in komischer Haltung aus dem raum getragen. Ich hörte wie irgendwer irgendwas von wegen “Schulter” sagte, aber keinen Schrei von unserm Knopf…
Irgendwer sagte “Kümmer sich doch mal jemand um den Vater” … Der Schatz saß nämlich in Tränen aufgelöst auf dem Sessel neben dem Bett und shcien auch nicht merh viel mitzukriegen… jemand wolte ihn zum unserem Baby bringen, doch das wollte er nicht… man brachte ihn trotzdem raus…

Mir wurde dann noch die Gebärmutter ausgeschabt, um die Reste des Mutterkuchens zu entfernen…
Anschließend wurde mit dem Nähen begonnen… autsch… ja doch, die Stiche konnte man spüren…
“Hol mal wer einen Anestäsisten” …
“Der hat leider einen Notfall” …
Ja super… nähen wir doch dann ohne richtige Betäubung. Schlimmer kanns ja eh nicht mehr kommen…

Etwa 1,5h später kam ich dann in ein anderes Zimmer und wenig später tapste der Schatz leichenblass, aber mit sauberem Simon auf dem Arm herein… ich hab mich so gefreut die beiden zu sehen! In dem Moment hat man wirklich schon fast vergessen, was da vorher passiert ist. Also, zumindest vergisst man WIE weh es getan hat. Nicht jedoch, was da alles passiert ist…
Gern wäre ich etwas mit meinen zwei Männern allein gewesen, aber einen Moment später kamen auch meine Eltern, denen der Schatz eigentlich gesagt hatte, sie sollten NICHT kommen… naja… dass sie sich gesorgt haben, kann man ihnen auch nicht verübeln…

Der Spatz erzählte dann noch, was ich so alles von der Geburt nicht mitbekommen habe. Sagte, dass er im Leben noch nicht soviel Blut gesehen habe. Auch die Hebamme sagte, dass sie SO nach noch keiner Geburt ausgesehen hätte. [ihre weißen Klamotten waren nicht mehr weiß… ünerhaupt muss der gesamte Kreißsaal wie ein Schlachthaus ausgesehen haben…]

Einen Tag nach der Geburt habe ich ausserdem festgestellt, das ich mir wohl einen Backenzahn bei dem ganzen Theater herausgebrochen habe… Zumindest fehlt da nun einer… Vielleicht kann man sich vorstellen, wie weh etwas anderes tun muss, wenn man dabei einen Backenzahn verliert, ohne es zu merken… keine Ahnung… wie schon gesagt, es ist wohl wahr, nach der Geburt hätte ich die Schmerzen nicht mehr genau beschreiben können, die vergisst man wirklich. Aber ich werde nicht vegessen wie das alles war und ablief… die Stimme von meinem Schatz, und wie er geweint hat währed der Geburt und später… seine Hände, in die ich meine Finger gekrallt habe… überhaupt das ganze Blut überall… und DAS will ich nicht nochmal. und so einen Geburtsablauf wünsch ich auch keinem…
Falls wir dieses Trauma jemals wirklich vergessen sollten und ein zweites Kind zeugen… [was natürlich voraussetzt, dass bei mir alles wieder vernünftig heilt und ich wieder einen Gedanken an Sex verschwenden kann O_o] Das wird dann ein geplanter Kaiserschnitt!!!!

Trotzdem… die Hauptsache ist, dass der Kleine alles gesund überstanden hat und dass es ihm gut geht. Dass auch seine Schulter keine Folgeschäden davontragen wird. Dass der Spatz sich ein bisschen erholt zu haben scheint, und unserem Sohn nicht mehr die Schuld dafür gibt, was passiert ist. Dass er sich überhaupt ein wenig mehr mit unserem Sohn angefreudet zu haben scheint. Dass auch Simon sich augenscheinlich langsam besser fühlt, und von Tag zu Tag etwas ruhiger wird…
Und irgendwann werd auch ich wieder vernünftig sitzen können und bis dahin ist es dann wirklich vergessen, hoffe ich.
Was mir noch immer Angst macht, ist der Gedanke, dass ich ohne die, wie wir es nennen, “fortgeschrittene Medizin” wohl bei der Geburt verblutet wäre… und Simon vermutlich erstickt…

In jedem Fall weiß ich, dass ich die Geburt nicht ohne den Schatz überstanden hätte. Dass sein schlichtes Händchenhalten das einzige war, worauf ich nicht hätte verzichten können.

Spatz, ich bin dir SOOO dankbar, dass Du da warst und mit mir ausgehalten hast, obwohl das so scheußlich war! Ich liebe Dich über alles!! Immer!


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6 Reaktionen zu “Die Geburt”

  1. Mama Schwaner

    Lass dich mal ganz fest drücken!!! Das liest sich wirklich traumatisch und ich kann euch alle verstehen, dass ihr viel Zeit zum Eingewhnen braucht. Solche Gedanken und Gefühle müssen erstmal verarbeitet werden. Erzhl das auch deiner Hebamme, die sind in solchen Situationen auch oft Seelentrster und kompetent! Alles Gute weiterhin für euch!!!!

  2. Giftzwerg

    Oje, was für ein Bericht :( Mann, was hab ich für ein Glück mit meinen Hebammen gehabt…
    Muschen, ich drück Dich! Nun ist es vorbei - und Du warst so tapfer. Dein Schatz war toll.
    Das Personal muss ja wohl durch die Reihe furchtbar gewesen sein :-/ Alleine schon, so viel vom CTG abhngig zu machen! Bei mir hat die PDA auch nicht gewirkt (ich wollte übrigens auch keine… *lach*) - ich kann so gut verstehen, wie beschissen Du Dich gefühlt haben musst, vor allem wo so viel über Deinen Kopf hinweg entschieden wurde :-(
    Ich drück Dich - es ist vorbei.

  3. lucy

    Ui ui ui.. es klingt schrecklich. Du arme… - aber jetzt hast Du es geschafft. Du Held… :-)
    liebe Grüe
    lucy

  4. Ami

    du meine güte. DU MEINE GüTE!! ich dachte immer ich htte eine ziemliche scheissgeburt bei ben hinter mir. aber deine scheint das zu toppen. du rmste….du allerallerrmste. und dein mann! und das kind!! ich fühle echt mit dir. wie gehts dir denn krperlich jetzt so?

  5. mujerfuriosa

    ich lese immer wieder mal still mit und mchte dir jetzt sagen:
    1. herzlichen glückwunsch zu deinem sohn und
    2. wie tapfer du bist. ich bin noch immer baff, dass es so gehen kann.
    ich wünsche dir, dass du alles gut verarbeiten kannst und auch krperlich gut heilst!!
    bin ganz fertig jetzt.

  6. Mi

    Tapfer hab ich mich ehrlich gesagt nicht gefühlt.. eher wie ein Jammerlappen… Aber als ich dann spter mitbekommen habe, was da alles nicht nach Plan lief… war mir das auch egal ;)

    Dankeschn, die seelische Heilung… das passt schon, ich denk nicht mehr wirklich dran… Aber krperlich.. das wird dauern.. nach über 2 Wochen kann ich noch immer nicht vernünftig und ohne Schmerzen sitzen. Wenn ich den Kleinen hochhebe zieht das auch schonmal übel.. Das schlimmste ist, dass ich zwischendurch einfach Angst habe, dass das nie wieder so wird wies war.. :/ Aber ich schtze mal, wenn ich Ende Mrz zur Nachuntersuchung ins Krankenhaus gehe, dann ist sicherlich alles wieder gut, und ich hab gerad einfach nur Panik.. Klar heilt das nicht von heute auf morgne.. aber es wr halt schn… zumindest ein bisschen Besserung würd ich gern merken….

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