Lieblings

Mit Lieblingsdingen ist es so eine Sache, eine ganz spezielle nämlich.
Ich habe eine Lieblingshose im Schrank, für die ich nach der Schwangerschaft vermutlich mindestens 20 Kilo abnehmen müsste, um wieder hineinzupassen. Wenns denn reicht. Vermutlich eher nicht. Trotzdem habe ich sie behalten und nicht bei der großen Schrank-Ausmist-Aktion zu den Altkleidern gegeben. Obwohl die Tatsache, dass ich meine alte Figur je zurück bekomme mir mittlerweile utopisch erscheint. Und obwohl diese Hose ihren Samt schon hier und da und dort verliert und mit der Zeit auch viel von ihrem schönen satten Schwarz verloren hat. Egal. Diese Hose liegt ganz oben hinten in meinem Schrank und wartet. Vermutlich vergebens, aber sie wartet.

Ich habe Lieblings-CDs, die ich – seit Simon auf der Welt ist – eigentlich nicht mehr höre. Ich würde sie niemals wegwerfen, aber da mein Liebster diese Musik nicht mag, ich sie fürs kleine Kind teilweise als zu aggressiv befinde und ich so gut wie nie allein zu Hause bin, stehen die Chancen für ungetrübten Musikgenuss eben auch nicht so gut.
Obwohl ich Bücher liebe und Simon Tag für Tag predige, dass er gut mit ihnen umzugehen hat [*g*] habe ich Lieblingsbücher, die nur deshalb nicht auseinanderfallen, weil sie in ein überfülltes Regal gequetscht sind und einfach nicht die Chance haben, sich in ihre Bestandteile aufzulösen.

Der Grund weshalb ich aber gerade darüber schreibe ist mein Lieblings-T-Shirt.
Dieses T-Shirt habe ich nun seit… ja. Ich weiß es gar nicht mehr. Ich habe es mit vielleicht 12 oder 13 Jahren von einem der Nachbarsjungs abgekauft oder eingetauscht. Ich weiß nicht einmal mehr, welchem von ihnen es ursprünglich gehört hat. Aber es hat mittlerweile gut und gerne 20 Jahre auf dem Buckel. Allein mit mir, wie lange es vorher schon beim Nachbarn gelebt hat weiß ich gar nicht…
Schon lange ist seine Farbe verblasst und der Aufdruck krümelig. Schon lange hat es hier und da kleine Löcher und ein aufgefisseltes Halsbündchen. Schon lange wird es eigentlich nur noch zum Schlafen getragen, oder vielleicht auch mal gut versteckt unter dem Pulli. Schon lange zieren es Farbflecken, genauer, seit ich damals mit C. zusammengezogen bin und wir unsere Wohnung renoviert haben.

Schon, als ich noch bei meinen Eltern gelebt habe, legte mir meine Mutter des Öfteren nahe, ich solle es doch so langsam mal wegwerfen. Heimlich, ganz für mich, ertappe ich mich sogar selbst bei dem Gedanken, dass es an der Zeit ist, sich davon zu trennen. Spätestens seit vor einigen Wochen ein groooßes Loch unter einem der Ärmel in dieses T-Shirt eingezogen ist.
Gestern, als der Schatz ein ebenfalls in die Jahre gekommenes Shirt zum Müll trug, habe ich es dann ausgespochen. „Meins müsste auch so langsam mal weg.“
Der Schatz sah sich meinen Schatz genauer an, blickte zu mir auf, schüttelte den Kopf und sagte „Wirf es JETZT weg.“
„Hm.“ hab ich gesagt.

Hm.
Ja, der Patient ist quasi tot. Und doch… die Liebe… 😉 Ich liebe dieses Ding. Vielleicht wegen seiner Einzigartigkeit, seinem Alter, vielleicht weil es mich nun schon soo lange begleitet.
Als ich es heute früh nach dem Duschen vom Badezimmerboden aufhob, habe ich es ganz automatisch in den Wäschekorb verfrachtet. Es wegzuwerfen ist keine Option.
Vielleicht sortiere ich es einfach nur aus. Lege es nach ganz oben und hinten in den Schrank. Zu den Dingen, in die ich wohl nie wieder reinpassen werde, aber die ich auch nicht wegwerfen kann.
Oder vielleicht hat irgendwann ein Übernachtungsgast etwas zu petzen… ^^

Altes geliebtes Blind Guardian T-Shirt

4 Responses to Lieblings

  1. Lia sagt:

    Und wenn Du es einfach zerschneidest und ein T-Shirt für den Zwerg draus nähst? Dann ist es ja noch da, hat nur einen neuen Weg eingeschlagen und Du siehst es auch noch häufiger 🙂

  2. Mi sagt:

    Das ist eine sehr schöne Idee, da wäre ich wirklich nicht drauf gekommen! Vermutlich weil… – der Haken – ich nicht nähen kann :mrgreen: 😉
    Und im Prinzip ist der Stoff einfach schon soo alt und wirklich nicht mehr schön…
    Aber ich werde darüber nachdenken, danke für die tolle Idee! 🙂

  3. Xell sagt:

    Ich finde Klamotten wegwerfen nicht gut. Wenns nicht gerade löchrige Socken oder langweilige Stangenware ist, hat es immer eine Geschichte. Im Prinzip war doch jedes Kleidungsstück mal kurzzeitig das Liebste. Ich kann mich nur von Sachen trennen, die ich wirklich plötzlich nicht mehr mag, das belastet mich dann fast, zu wissen, dass dieses Ding in meinem Schrank liegt.

    Schon alleine, weil du soviel darüber erzählen kannst, hat es das bisschen Stauraum verdient, den es braucht 😉 AUFHEBEN!

  4. Mi sagt:

    Im Prinzip geb ich auch nicht gern Klamotten weg. Aber mein Kleiderschrank mit den vielen Größe 36 Klamotten, von denen ich einige sehr gern getragen habe, hat mich auch schwer belastet. Da ist so einiges rausgeflogen, was mir ganz schön weh tat… Aber seitdem fällt es insgesamt leichter, auszusortieren. Vielleicht weils eh egal ist was ich anhab, sieht alles tendenziell doof aus -.-

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