Abschied

5. Juli 2008, 11:57 von Mi, in Persönliches mit

Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff

Mit diesen Gedicht, einem der schönsten überhaupt, wie ich finde, wurde Donnerstag die Trauerfeier eröffnet.

Auch wenn es komisch klingen mag, es war eine schöne Beerdigung. Schnörkellos und teilweise sogar zum Schmunzeln. Ja, ich musste mir sogar das Lachen verkneifen, als der Organist sich mehrfach verspielte. Meiner Oma hätts nichts aussgemacht, mein Opa hat auch nicht immer die richtigen Tasten getroffen, am Klavier und sie liebte es, ihm zuzuhören…

überhaupt hätte ihr die Beerdigung gefallen. Der Sarg war sehr schön [doch so groß.. und sie so klein…], und die Kränze, die man für sie gebracht hatte, bestanden überwiegend aus Rosen… Meine Oma liebte Rosen… Um ihr Haus wuchsen immer Rosen und wachsen auch heute noch, wenn gleich nicht mehr ganz so zahlreich…
Außerdem waren sehr viele Leute gekommen, bestimmt 60, darunter viele, mit denen ich und auch meine Eltern gar nicht gerechnet hatten.
Doch, das hätte ihr gefallen.
Obwohl Simon ihr ziemlich die Show gestohlen hat. Normalerweise hätte sie dies wohl geduldet, schließlich wäre er bei ihr auf dem Arm gewesen, und sie hätte allen ganz stolz ihren Ur-Enkel vorgeführt. Doch da sie ja nun nicht mehr da ist, kamen alle zu uns, um ihn ausgiebig zu bewundern… Ein merkwürdiges Gefühl war das, quasi der Grund zu sein, weshalb meine Omi in den Hintergrund rückte… Das hat mir nicht gefallen. Aber so ist das wohl, sagt meine Mutter, wenn ein alter Mensch geht. Natürlich ist man traurig, aber es einfach der Lauf der Dinge. Jemand hat Platz gemacht, für etwas neues. Und Simon ist nunmal der “Neueste” in der Familie…

In der Kapelle und auf dem Friedhof konnte auch ich endlich Weinen, aber lange nicht so, wie ich es vermutet hätte, oder wie es bei meinem Opa oder den anderen Großeltern der Fall gewesen ist. Dabei war mir meine Omi immer die Liebste von allen, und ich fühle mich schlecht, anscheinend nicht so traurig zu sein, wie es ihr zusteht. Vielleicht kommt das dicke Ende noch, vielleicht habe ich es auch einfach akzeptiert, vielleicht habe ich keine Zeit um traurig zu sein, weil ich mich um unseren Knopf kümmern muss, der gerade wieder sehr aufmerksamkeitsbedürftig ist… ich weiß es nicht. Fakt ist, dass ich dafür seit einigen Tagen körperlich total erschöpft bin. Ich könnte den ganzen Tag schlafen… Vielleicht trauere ich diesmal auf diese Art? Ich weiß es nicht…
Ich hoffe aber, liebe Omi, Du glaubst nicht, es sei mir egal.. Das ist es nicht, keineswegs! Ich weiß nicht was los ist. Ich vermisse Dich! Vorallem wünschte ich, Du hättest Simon noch weiter wachsen sehen können. Aber ich weiß auch, dass Du jetzt da bist, wo Du sein wolltest… wieder bei Opa… und das bist Du nun.
Ja, das Grab sah tatsächlich aus wie ein Ehebett und Du wurdest auf Deine Seite gelegt…

Trotzdem, ein wirklicher Abscheid war es noch nicht für mich. Ich war gestern nochmal am Grab, mit meiner Mutter und Simon, in der Hoffnung, dann mehr Ruhe zu finden. Doch auch das war nicht ruhig genug. Vielleicht gehe ich mal mit Knopf und Schatz zusammen. Oder ganz allein. Oder vielleicht will ich mich auch gar nicht verabschieden. Vielleicht muss ich das auch gar nicht? Warum auch? Du gehst nicht, nirgendwohin, so, wie ich es Dir versprochen habe. Ich werde Dich nie vergessen, Dich immer bei mir tragen, im Herzen. Also muss ich mich doch auch nicht verabschieden, oder?

Trotzdem… Du wirst mir fehlen. Du fehlst mir bereits. Du warst die beste Oma die man sich hätte Wünschen können. Und ich bin sehr froh, dass ich Dir noch sagen konnte, was Du mir bdeutest, das ist mir ein Trost.
Danke für alles.


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7 Reaktionen zu “Abschied”

  1. Katrin

    ich war (ausser an den Beerdigungen) nicht wieder am Grab. Bis vor kurzem um den Grabstein zu bewundern (der im übrigen ganz wunderbar geworden ist).
    Habe diesen Artikel gelesen und schon fliessen die Trnen.
    Ich denke noch ganz oft an meine Groeltern. Ein Bild von ihnen hngt bei uns im Flur. Und ich muss jedesmal weinen, wenn ich so über sie nachdenke wie jetzt.
    Meine Groeltern sind jetzt schon 2 Jahre weg und trotzdem tut es noch sehr weh.
    Jeder hat wohl seinen eigenen weg zu trauern. Ich hab noch immer nicht so richtig damit aufgehrt.

  2. Corinn

    So jetzt hab ich gerade mal meine trnen weggewischt. Das hast Du wunderschn geschrieben. Als ich mit meinem ersten Sohn (Conrad) schwanger war starb mein Opa. Der ist einfach so umgefallen und war tot - natürlich war die Trauer gro und als der Pfarrer dann in seiner Rede meinte, er htte sich so auf seinen Urenkel gefreut, da musste ich nur noch losheulen. Auch die Kommentare, dass da was Neues wchst und das Alte platz gemacht hat halfen überhaupt nicht - das klingt doch eher so, als htte ich meinen Opa umgebracht.
    Meine Oma konnte hingegen Conrad noch 14 Monate aufwachsen sehen, dann starb auch sie, nach kurzem Leiden. Ich bin noch mit Conrad an ihr Sterbebett, und habe seine Hand auf ihre gelegt. Sie hat reagiert und gelchelt. Das war unser Abschied.
    Ans Grab gehe ich eher nicht, da fühle ich mich fehl am Platz - aber whrend ich das hier schreibe laufen mir fortwhrend die Trnen übers Gesicht. Es sind nicht die uerlichkeiten die zahlen - wichtig ist das Bewahren der schnen Momente. In dem Du Dich erinnerst ehrst Du sie und so wird sie einfach immer einen Platz in Deinem Herzen haben.

  3. Corinn

    *zhlen, nicht zahlen

  4. Katrin

    mensch corinn… jetzt laufen mir schon wieder die trnen! :-( Meine Groeltern haben nicht mal gewusst, dass ich schwanger war. Sie htten sicher viel spass mit lukas (und jetzt Felix) gehabt. ich bin so traurig, wenn ich daran denke…

  5. Mi

    Ach Mensch, wenn ich das so lese, dann kullern hier auch wieder Trnchen.. :/

  6. Nadine

    *drück*

  7. Lilienfeuer

    Fühl dich gedrückt… Das ist ein tolles Gedicht zur Eröffnung und Beerdigungen können durchaus schön sein. Ich hoffe aber, dass du noch deinen ganz eigenen Abschied findest, solange du trotzdem nach vorn (und auf Simon) schaust.

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