Tekken – Das Böse in Dir / Pt.2
Als er knappe zwei Stunden später sein Motorrad mitten auf dem Gehweg vor dem Restaurant der Laws parkte und das Gebäude betrat, sah er Paul Phoenix ungeduldig an der Theke sitzend auf ihn warten.
Hwoarang schlenderte betont lässig zwischen den Tischen, Stühlen und Gästen hindurch auf ihn zu, nahm die Sonnenbrille ab und schob sie sich auf den Kopf. Seine deutliche Verspätung war ihm bewusst, juckte ihn jedoch nicht. Er fuhr sich mit der für ihn typischen Geste durchs Haar und kratze sich am Hinterkopf – das ganze, ohne die Sonnenbrille zu verrutschen – dann ließ er sich neben Paul auf einen Barhocker fallen.
„Da bin ich.“
„Das seh´ ich.“ Paul machte einen zornigen Eindruck. „Kannst du nicht ein einziges Mal in deinem Leben pünktlich sein?“
„Ich hab’s nicht früher geschafft, sorry“, log er.
„Du kommst noch zu deiner eigenen Beerdigung zu spät…“, murmelte Paul.
Hwoarang sprang genervt auf. „Ich bin doch da, Alter! Oder etwa nicht?“, beschwerte er sich. „Müsst ihr heute alle auf mir rumhacken?“
„Setz dich hin und beruhig dich.“ Paul grinste entschuldigend zu den Restaurantbesuchern, die sich ob der lautstarken Äußerung vorwurfsvoll zu ihnen umdrehten, und schob den Rotschopf mit sanfter Gewalt auf den Hocker zurück. „Du bist viel zu hitzig.“
Hwoarang wollte erneut aufbrausen und holte tief Luft. Ein Blick in Pauls Gesicht verriet ihm jedoch, dass er sich das sparen konnte und entschied sich für eine wegwerfende Handbewegung.
„Ach, was weißt du schon“, grunzte er, „Scheiß Ami!“
Paul grinste. „Okay, was ist, hast du Hunger? Oder können wir gleich los?“ fragte er.
„Los? Wohin?“ Hwoarang spürte seinen Wutpegel in schwindelnde Höhen steigen und runzelte die Stirn. Er sollte hierher kommen. Von Wegfahren war nicht die Rede gewesen. „Noch irgendwelche Überraschungen, von denen du mir nichts erzählt hast?“
„Och Mensch, jetzt reiß dich zusammen! Du bist doch kein kleines Kind mehr!“ Der hochgewachsene Blonde donnerte mit der Faust auf die Marmorplatte der Theke. Einige Wasabi-Erbsen hüpften in ihrer Schale. „Ich erklär´ Dir alles später! Also, Essen, ja oder nein?“
„Türlich…“, nickte Hwoarang. Was war mit dieser Welt los? Er verhielt sich doch ganz normal! Aber mit den rothaarigen Koreanern konnte man es ja machen. Hier- und dorthin schicken. Und unter keinen Umständen mehr als nötig preisgeben, wo kämen wir denn da hin? Er würde sich nicht herumschubsen lassen! Er fühlte seine Stirn in tiefen Falten liegen und bemühte sich, noch finsterer drein zu blicken.
„Gut, warte hier. Ich hol´ dir was.“, hörte er Paul sagen und sah ihm hinterher, als dieser durch rote Schwingtüren mit gläsernen Bullaugen schritt und in der Küche verschwand.
Hwoarang blickte auf seine Uhr, deren defektes Armband er durch einen breiten Lederriemen ersetzt hatte. Gleich sechs. Wenn Paul noch irgendwohin wollte, musste es schnell gehen. Er war später mit Eddy verabredet, den er seit dem letzten großen Turnier nicht mehr gesehen hatte, und der sich seit zwei Tagen in Tokyo aufhielt. Aber Zeit für ein Gratisessen musste drin sein.
Er hörte erneut die Schwingtür klappern und sah auf. Es war nicht Paul, sondern Forest Law, der mit einem breiten Lächeln auf ihn zukam.
Forest wischte sich die Hände an seiner Schürze ab und schlug Hwoarang zur Begrüßung kumpelhaft auf die Schulter.
„Ohne Einladung lässt du dich nicht blicken, was Rang?“, fragte Law trocken. „Trotzdem, schön dich zu sehen!“
„Ich heiße NICHT Rang!“, grummelte der Angesprochene unfreundlich. „Warum ist das einzige, was ihr euch merken könnt, dieser blöde Name?“ Seine Stirn lag erneut in tiefen Falten.
Forest grinste noch breiter.
„Bleib locker, ich wollte dich nur ärgern. Paul sagte zwar, du wärst mies drauf, aber das es so schlimm ist…“
„Läuft im Moment halt alles ziemlich beschissen“, erklärte Hwoarang. „Wie geht’s dir?“
„Kann nicht klagen. Der Laden läuft gut und seit Paul zurück ist, ist mein Vater viel zu beschäftigt, als das er sich großartig um meine Belange kümmern könnte“, antwortete Forest und fügte zwinkernd hinzu: „Kommt mir ganz gelegen.“
„Kann ich mir denken.“ Hwoarang zog seine Sonnenbrille aus dem Haar und drehte sie zwischen den Fingern. Er hatte zwar keine Familie mehr, aber Beak ging ihm mancher Tage auch gehörig auf den Keks. Für Forest musste es schwer sein, mit seinen gut dreißig Jahren noch im Schatten des Vaters zu stehen. Hwoarang war es nicht gewohnt, sich herumkommandieren zu lassen oder unterzuordnen. Als er noch mit seiner Straßengang durch die Gegend gezogen war, hatte er kommandieren dürfen. Doch die Zeiten waren ein für allemal vorbei. Manchmal dachte er melancholisch an die Gang zurück, aber im Grunde hatte Beak Recht: Das war nichts, was man ewig durchziehen konnte. Gut, durch die gefakten Kämpfe hatte er genügend Kohle verdient und mit den Jungs viel Spaß gehabt, mehr hatte ihm dieses Leben jedoch nicht bieten können. Er war jetzt älter. Den Worten seines Meisters zufolge zwar weder klüger, noch weiser, ruhiger oder vernünftiger, aber das kratze ihn nicht. Er war auf die Schulbank zurückgekehrt, das musste für den Anfang genügen.
„…alleine schmeißen.“
Hwoarang hob den Kopf. „Sorry, was?“
Forest sah ihn mit leicht tadelndem Gesichtsausdruck an. „Ich sagte, ich hoffe ihr seid schnell zurück, immerhin muss ich bis dahin den Laden ganz alleine schmeißen.“
„Marshall kommt mit?“, fragte Hwoarang überrascht. „Was ist eigentlich los?“
„Du bekommst nichts von dem mit, was um Dich herum geschieht, oder?“ Forest wollte weiterreden, verstummte aber, als der große Schatten Pauls über ihn fiel, der gerade zurück in den Gastraum getreten war.
„Naja, mach’s gut, ich muss zurück in die Küche. Denke, wir sehen uns demnächst häufiger.“ Er klopfte Hwoarang erneut auf die Schulter, murmelte Paul etwas zu, worauf dieser in schallendes Gelächter ausbrach, und verschwand durch die Schwingtür.
„Was ist jetzt wieder komisch?“, fragte Hwoarang beleidigt. Machten sie sich über ihn lustig?
Paul stellte grinsend eine dampfende Schüssel mit Reis und Gemüse vor ihm ab und legte ein paar Essstäbchen daneben. „Sei nicht so neugierig. Und jetzt beeil´ dich mit dem Essen, sonst kommen wir an, wenn alles vorbei ist. Und das willst du nicht, glaub´ mir.“
„Ich rühr´ mich nicht vom Fleck, ehe du mir nicht gesagt hast…“
„Siehst du, Forest hatte recht!“, fuhr Paul gereizt dazwischen. „Er hat gesagt, dass du noch genauso ein Kind bist, wie vor ein paar Jahren. Und jetzt iss endlich!“
Stumm griff Hwoarang nach den Stäbchen und begann zu essen. Paul gehörte normalerweise nicht zu den Menschen, die sich leicht aus der Ruhe bringen ließen, doch heute erschien er Hwoarang deutlich gereizt.
„Wasch isch jetsch eigentlisch losch?“, fragte er den blonden Amerikaner mit vollem Mund.
„Genauso wenig hier, wie am Telefon“, entgegnete dieser. „Sag mal, hat dir Deine Mutter überhaupt nichts beigebracht? Nicht mit vollem Mund zu sprechen, zum Beispiel?“
Hwoarang schluckte und grinste. „Kann mich nicht erinnern“, antwortete er. Auf seinen Manieren konnten sie rumhacken, wie sie wollten, das interessierte ihn nicht. Musste schließlich nicht jeder ein Schleimscheißer wie Jin Kazama, der Liebling aller Schwiegermütter, sein. Hwoarang war stolz darauf, ein Kind der Straße zu sein.
„Kann ich da graue Haare in deinem Schopf entdecken?“, lenkte er vom Thema ab.
Paul schnaubte. „Wenn dem so ist, geht die eine Hälfte davon auf dein Konto. Die andere Hälfte bedeutet wohl, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Ich bin fünfzig, darf ich dich daran erinnern? Komm du in mein Alter, und von deinem Rotschopf wird nichts mehr übrig sein. Vermutlich fallen sie dir sogar aus!“
„Wenn ich so alt bin wie du jetzt, bekommst du das gar nicht mehr mit“, konterte Hwoarang und mampfte gierig weiter.
Als er wenig später die leere Schüssel von sich weg und seine Brille wieder in die Haare schob, drängte Paul zum Aufbruch und holte Marshall Law, Forests Vater, aus der Küche. Einzig ein paar Fältchen im Gesicht und der die Mundpartie umrahmende Bart machten auf den ersten Blick den Unterscheid zwischen Marshall und Forest aus. Ihre Ähnlichkeit war verblüffend.
Marshall begrüßte erst Hwoarang, der jetzt doch ein paar Manieren hervorkramte und sich für das Essen bedankte, und gab anschließend einer Kellnerin letzte Anweisungen, ehe die drei gemeinsam das Lokal verließen.
Während Hwoarang einen Strafzettel von seiner Rennmaschine pflückte und ihn verächtlich auf die Strasse warf, holte Paul sein eigenes Motorrad, einen bulligen Shopper, aus dem Hinterhof des Restaurants.
“Fahr mir hinterher“, sagte Paul an Hwoarang gewandt. „Und gib mir bescheid, falls uns jemand folgt, klar?“
„Logo.“ entgegnete der.
Marshall schwang sich hinter Paul auf den Sitz.
Hwoarang konnte hören, wie Forests Vater Paul bat, nicht so schnell zu fahren, und er lachte in sich hinein, während er seine Maschine startete. Paul liebte schnelles Fahren ebenso wie er. Die beiden Laws hingegen hegten eine große Abneigung gegen diese Art Fortbewegungsmittel, und wenn sie einmal nicht umhin kamen, sich davon transportieren zu lassen, baten sie, genauso regelmäßig wie vergebens, um eine vorsichtige Fahrweise.
Hwoarang blickte zurück auf das Restaurant, über dessen Eingang ein großes Neonschild „Laws chinesische Spezialitäten“ verkündete, dann schlängelte er sich durch die parkenden Autos hindurch auf die Strasse und reihte sich hinter Paul in den Verkehr ein.
Es herrschte Feierabendbetrieb, weshalb sie nur stockend vorankamen. Dem vorausfahrenden Paul missfiel diese langsame Form der Fortbewegung und er vollführte gewagte Überholmanöver, die den hilflos an ihn geklammerten Sozius dazu verleiteten, ihm mehrere Klapse auf den Hinterkopf zu verordnen.
Hwoarang grinste in sich hinein und war gleichzeitig froh, sich nicht mit einem Beifahrer herumplagen zu müssen. Er folgte Paul in einigem Abstand, wobei er sich regelmäßig im Rückspiegel vergewisserte, ob ihnen jemand folgte.
Was mochte geschehen sein? Warum diese Geheimniskrämerei und diese übertriebene Vorsicht? Wieso zum Teufel sollte Jemandem daran gelegen sein, sie zu verfolgen? Absurd! Ob Paul etwas ausgefressen hatte? Hwoarang konnte sich das beim besten Willen nicht verstellen. Paul war zwar ansatzweise von ebenso hitzigem Gemüt wie er, aber weder streitsüchtig, noch in irgendeiner Art und Weise kriminell veranlagt. Was konnte es sonst sein? Und was hatte Beak damit zu tun? Er selbst war sauber, seit er die Gang verlassen und sich der Fortbildung verschrieben hatte. Und die Laws? Waren seit jeher friedliebende Bürger, die ihre Kampfkraft einzig zur Verteidigung einsetzten. Hwoarang fand keine vernünftige Erklärung für den seltsamen Ausflug.
Zwischen den vielen Hochhäusern der Innenstadt rückte die Dämmerung schneller voran als auf freiem Gelände, daher musste Hwoarang bereits nach wenigen Kilometern seine geliebte Sonnenbrille in der Hemdtasche verstauen, um noch ausreichend sehen zu können. Er folgte Paul im Zickzack-Kurs durch die Straßen, den Bezirk Adachi im nördlichen Tokyo, wo das Restaurant der Laws zu finden war, hatten sie längst hinter sich gelassen, und fragte sich nach einer Weile nicht nur, wohin er geführt wurde, sondern auch warum er überhaupt noch in den Rückspiegel blickte. Bei dieser wirren Streckenplanung würde ihnen niemand an den Fersen bleiben, der noch halbwegs bei Verstand war.
Er seufzte, als sie erneut auf eine Hauptverkehrsstraße abbogen, in der sich die Fahrzeuge, soweit das Auge reichte, aufgestaut hatten. Vorsicht bugsierte er sein Motorrad durch die Autoschlangen hindurch und erkannte jetzt, dass Paul auf die Autobahn zusteuerte, die aus der Stadt hinausführte. Wohin wollte der Kerl?
Hwoarang warf einen prüfenden Blick auf die Tankanzeige: Die Nadel befand sich weit im grünen Bereich, zumindest darum musste er sich vorerst keine Gedanken machen, und er richtete seine Konzentration wieder darauf, Paul nicht aus den Augen zu verlieren. Er sauste ihm über die mehrstöckigen Schnellstraßen in südwestlicher Richtung hinterher. Sie durchquerten Setagaya-ku und ließen die Metropole Tokyo hinter sich zurück, streiften Kawasaki und wandten sich in die ländliche Gegend der Tama-Hügel.
Als die Dämmerung sich dem Nachthimmel ergab, bog Paul auf einen heruntergekommenen Rastplatz ab und parkte seinen Shopper im Schatten einer wild wuchernden Hecke. Noch ehe er den Zündschlüssel ziehen konnte, war Hwoarang von seiner Maschine gesprungen und auf ihn zu gestürzt.
„Sag´ mir beim nächsten Mal vorher bescheid, wenn wir eine Weltreise vor uns haben, verdammt“, bellte er. „Ich bin später noch verabredet! Eddy wird tierisch wütend sein, wenn ich ihn warten lasse! Und rück´ endlich raus mit der Sprache, was wollen wir hier?“
Hwoarangs Wutausbruch war für Paul kaum zu verstehen, da Marshall im gleichen Moment begonnen hatte, auf den großen Blonden einzuschimpfen. Dessen Gemecker bezog sich jedoch auf den rasanten Fahrstil des Amerikaners.
Paul grinste die beiden an, stieg seelenruhig ab und tat, als habe er nichts gehört.
„Bereit?“, fragte er. „Kann’s weiter gehen?“
Hwoarang stöhnte und fasste sich an den Kopf. „Noch weiter?“, beschwerte er sich.
„Ja, noch weiter!“, nickte Paul und fragte: „Ist dir unterwegs irgendetwas aufgefallen? Ist uns jemand gefolgt?“
„Nein. Andernfalls hätte ich es Dich wissen lassen, okay? Ich will jetzt wissen, worum´s hier geht! Und zwar auf der Stelle!“ Hwoarang widerstand dem Drang, wütend mit dem Fuß aufzustampfen.
„Bleib locker, es ist nicht mehr weit und…“
„Jaaaa… immer locker bleiben! Mir reicht´s langsam! Behandelt mich nicht wie ein Kind!“
Marshall zog eine Grimasse. „Dann würde ich vorschlagen, verhalte Dich nicht wie eins. Und jetzt kommt!“
Damit drehten sich seine Begleiter um und gingen durch die Dunkelheit auf das verlassene Rasthaus zu, das von den Straßenlaternen spärlich beleuchtet wurde.
Obwohl Hwoarang am liebsten umgekehrt wäre, folgte er ihnen. Er konnte Beak nicht im Stich lassen. Worum auch immer es bei dieser Sache, um die Paul ein riesiges Geheimnis machte, ging, es musste wichtig sein. Ein nicht zu verachtender Anteil Neugierde hatte sich in ihm breitgemacht und verstärkte sich noch, als Paul und Marshall nicht, wie er vermutet hatte, das heruntergekommene Gebäude betraten, sondern um es herum gingen, über einen Zaun stiegen und sich durch die dahinter liegenden Büsche schlugen. Anschließend liefen sie einen Acker entlang, durch eine Baumgruppe, kletterten über ein paar Felsen und erreichten ein kleines Wäldchen.
Marshall hatte eine kleine Lampe entzündet, deren mattes Licht zwar nicht ausreichte, die Feinheiten ihrer Umgebung deutlich zu machen, aber immerhin verhinderte, dass sie über ihre eigenen Füße stürzten.
Hwoarang fluchte, als Marshall und Paul zwischen den Bäumen verschwanden. Normalerweise nutze er sogar für den Weg zu der kleinen Sushi-Bar bei ihm um die Ecke seine Maschine, und jetzt dieser Gewaltmarsch?
„Ist es noch weit?“, fragte er, wohl wissend, dass dies die Frage eines kleinen Kindes war.
„Nein, wir sind gleich da“, murmelte Paul zerstreut und blickte sich um.
„Was ist?“
„Ach, nichts. Ich dachte, ich hätte was gehört.“
Hwoarang lauschte, vernahm jedoch nichts als das gleichmäßige Atmen dreier Kehlen und den Wind in den Ästen. Er zuckte gedanklich mit den Schultern und stolperte weiter durch die Finsternis, ihrem unbekannten Ziel entgegen.
Es war in der Tat nicht mehr weit. Bereits nach wenigen Metern hielt Paul erneut an und lauschte, nickte Marshall zu und korrigierte ihre Richtung nach links. Augenblicke später erreichten die Drei eine kleine Lichtung, auf der sich eine spärlich beleuchtete Holzhütte befand. Schatten und gedämpfte Stimmen verrieten, dass sich darin mehrere Personen aufhielten.
Sie überquerten die Lichtung und Paul klopfte an die Tür. Das Gemurmel im Innern verstummte und Hwoarang fragte sich, wer in diesem Schuppen mitten im Nirgendwo leben mochte. Er hörte Schritte und eine weibliche, freundliche Stimme fragen: „Wer ist da?“
„Paul Phoenix, Marshall Law und der Kindskopf“, antwortete Paul, was ihm einen harten Stoß mit dem Ellbogen einbrachte.
Die Tür öffnete sich und…
Hwoarang wäre beinahe in Ohnmacht gefallen.
Es war Jin, der ihnen Einlass gebot, doch den nahm Hwoarang kaum wahr. Die Person neben seinem ewigen Rivalen war zwei Köpfe kleiner als er selbst, hatte schulterlanges, glattes und dunkles Haar, auffallend helle Haut und trug ein schneeweißes langes Kleid. Ein leises Leuchten schien von ihr auszugehen. Ihre sanft blickenden Augen waren von einem tiefen Braun und ähnelten denen eines Rehs. Ihr Lächeln war bezaubernd. Sie schien nicht älter als zwanzig Jahre zu sein, aber Hwoarang wusste es besser.
Er taumelte ein paar Schritte rückwärts.
„Du bist Jun!“, keuchte er überrascht und entsetzt zugleich. „Jun Kazama!“
Er atmete tief ein und tat sein bestes, Jins spöttischen Blick zu ignorieren.
„Du bist tot!“, stellte er fest und verbesserte sich sogleich. „Das heißt, du müsstest tot sein! Ich dachte, du…“
Paul grinste ob der Verlegenheit seines jugendlichen Begleiters. „Mach den Mund zu und komm rein.“ Er packte Hwoarang am Arm und schob ihn vor sich her in den kleinen Raum.
Hwoarang, durch Pauls Aktion gezwungen seinen erstaunten Blick von Jins Mutter zu abzuwenden, entdeckte im Inneren der Hütte einen kleinen Tisch, um dem sich mehrere Personen drängten. Ohne auf ihre Gesichter zu achten, die ihn überwiegend amüsiert betrachteten, drehte er sich um und starrte weiter auf Jun.
„Was geht hier vor?“, wollte er wissen.
Jun lächelte ihm zu. „Du bist nicht der einzige, der berechtigt überrascht ist.“ Sie blickte in die Runde. „Julia und Michelle fehlen noch, sobald sie angekommen sind, erkläre ich euch alles. Setz dich.“
Mit einer einladenden Handbewegung gebot sie ihm, sich zu den anderen Besuchern zu setzen. Mechanisch kam er der Geste nach und ließ sich auf die Dielen fallen, ohne seine Augen von Jun zu nehmen. Erst als er Ling leise nach ihm rufen hörte, fiel die Trance von ihm ab.
„Rang!“, winkte sie.
Er grinste verhalten zurück, dann betrachtete er die um ihn Sitzenden genauer und musste feststellen, dass es sich um ihm gut bekannte Gesichter handelte.
Paul und Marshall am nächsten, die bei der Tür stehen geblieben waren und flüsternd mit Jun sprachen, sah er den geheimnisvollen Anführer der Manji-Ninja, Yoshimitsu, im Schneidersitz vor dem Tisch sitzen, gleich daneben den Polizisten und Kung Fu Meister Lei Wulong. Er nickte Eddie Gordo zu, der lässig eine Hand zum Gruß hob, neben diesem stand Nina Williams, schön und gelangweilt, an der Wand. Rechts von ihr, ihm gegenüber, folgten Ling Xiaoyu und, nicht länger bei seiner Mutter,…
„Jin Kazama!“, er spie den Namen aus und verzog verächtlich das Gesicht.
Jin hob abfällig eine Augenbraue, legte seinen Arm um Ling und ignorierte Hwoarang. Der zog seine Brille aus der Jacke und drehte sie gelangweilt in seinen Händen. Was war das hier? Ein Geheimtreffen? Wozu sollte das gut sein? Und wo zur Hölle war Beak?
Die meisten Anwesenden unterhielten sich leise miteinander, doch den Gesprächsfetzen konnte Hwoarang nichts Wichtiges entnehmen. Er nutze den Moment, als er für Paul Platz machte, um bis zur Außenwand der Hütte zurückzurutschen und beobachtete die Szene finster. Er empfand es als absolute Frechheit, ihn derart ans Messer zu liefern. Paul und Marshall hatten von Jun gewusst und es ihm bewusst verschwiegen. Ling, vermutete er, war ebenfalls eingeweiht gewesen, schließlich ging sie mit dem Blödmann. Gleich nachdem dieser Unfug vorbei war, würde er mit Eddy, der wie Hwoarang schweigend in der Runde hockte, auf ein oder zwei Bierchen in einen Club abdüsen und dann konnte die illustre Geheimgesellschaft flüstern, tuscheln und witzeln was sie wollte.
Es klopfte erneut an der Tür und zwei indianisch gekleidete Frauen traten ein. Michelle begrüßte Jun herzlich, doch Julia starrte sie ebenso entgeistert an, wie Hwoarang noch vor wenigen Augenblicken. Zumindest war er nicht der einzige, den man im Dunkeln gelassen hatte und er versuchte sich an einem mitfühlenden Lächeln für die junge Indianerin.
Die Versammelten rutschten noch enger zusammen, was Hwoarang beinahe auf den Schoß des Polizisten Lei Wulong beförderte.
„Mach Dich nicht so breit“, beschwerte er sich.
„Och, hat unser cooler Gangboss Angst vor einer Berührung?“, alberte Lei und tat, als wolle er sich an Hwoarang schmiegen, der hektisch zurückwich. Jin begann lauthals zu Lachen und selbst Nina ließ ein hohes künstliches Kichern vernehmen.
„Schnauze, Bulle…“, grummelte Hwoarang ins allgemeine Gelächter. Seine Laune steuerte ihrem Tiefpunkt entgegen. Wohin sollte das hier noch führen?

August 3rd, 2007 12:43
Krulli will mehr von SOWAS!!!!
August 20th, 2007 20:07
Huhu.^^
Das ist eine so geile geschichte. ** Und Hwoarang ist mein Lieblingschara aus Tekken. >///
Oktober 29th, 2007 19:33
Die Geschichte ist echt toll geschrieben. RESPEKT!!!!!
Gehts da eigentlich irgendwann noch mal weiter oder wars das jetzt?
würd echt gern weiterlesen^^
November 3rd, 2007 13:47
Naja.. rein objektiv betrachtet würde ich sagen… das wars.
Die Geschichte hab ich vor 7 Jahren begonnen, ich glaube kaum dass ich daran noch mal anknüpfen werde. Es ist einfach zu lange her und mein Interesse an FanFictions und auch an Tekken ist eh geschrumpft. Ich schreib lieber ganz eigenes. O:-)
Aber mich freuts trotzdem wenns Anklang findet! Danke!
November 7th, 2007 21:42
oukey=)
aber danke, dass du geantwortet hast
April 20th, 2008 10:30
[...] Selbstportrait Tekken – Das Bse in Dir / Pt.2 [...]
Mai 7th, 2011 20:37
[...] Hier gehts weiter [...]