Tekken - Das Böse in Dir / Pt.1
21. April 2002, 13:35 von Mi, in Geschichten mit„Suchst Du Streit???”
Hwoarang kochte vor Wut. Wie er diesen aufgeblasenen Kerl hasste! Was bildete der sich eigentlich ein?! Hier einfach so aufzukreuzen und ihm die Tour zu vermasseln! Jetzt hatte er noch nicht einmal den Namen dieses reizenden Geschöpfes in Erfahrung bringen können, und das alles wegen diesem reichen Schnösel…
„Du brauchst mal wieder ordentlich eins aufs Dach!” Er hob drohend die Faust.
Sein Gegenüber grinste ihn nur an und wandte sich ab.
„Ey Du Arsch, ich rede mit Dir!!” Hwoarang strich sich wütend die Haare aus dem Gesicht und packte seinen Gegner hart an der Schulter.
Dieser drehte sich jetzt ziemlich gelangweilt und unbeeindruckt zu ihm um.
„Jetzt hör mir mal zu,” sagte Jin Kazama in ruhigem, aber sehr bestimmendem Tonfall, „wenn Du sie noch einmal ansiehst, es auch nur wagst an sie zu denken, bring ich Dich auf der Stelle um, ist das klar? Passt das in deine Rostbirne? Kannst Du Dir das merken?”
Sein Tonfall wurde zunehmend arroganter, was Hwoarang noch mehr auf die Palme brachte.
„Du eingebildetes Stück Dreck!”, er packte Jin am Kragen. „Was glaubst Du eigentlich wer Du bist, hm? Der König der Welt?”
Jin schüttelte seine Hand ab. „Du willst doch auf der Uni bleiben, oder?” Er grinste überlegen. „Ein Wort von mir und Du fliegst!”
In Hwoarangs Kopf arbeitete es. Was der Blödmann sagte war richtig. ER hatte die Möglichkeiten ihn der Uni zu verweisen. Nicht direkt er, aber da die komplette Einrichtung von Jins Familie bezahlt wurde… Wie gern würde er ihn jetzt mitten in seine hässliche Visage treten. Mitten rein. Direkt in dieses beschissene Grinsen.
„Weißt Du eigentlich wie blöd du aussiehst, wenn du versuchst zu denken?” feixte Jin noch und wandte sich erneut zum Gehen.
Hwoarang riss der Geduldsfaden. Er trat Jin von hinten in die Kniekehlen, umfasste gleichzeitig seinen Oberkörper, warf ihn auf die Erde und hockte sich über ihn.
„Dreh mir nie wieder den Rücken zu!” zischte er drohend. „Nie wieder, verstanden? Es könnte das letzte Mal sein, dass Du irgendwas den Rücken zudrehst!” Er stand abrupt auf, ließ seinen überrumpelten Rivalen sprachlos am Boden liegen und machte sich auf in Richtung Parkplatz. Er würde sich nicht umdrehen, auch wenn er zu gerne sehen würde, wie sich Jin den Staub aus den teuren Klamotten klopfte. Der Typ würde es nicht wagen zu einem Gegenangriff anzusetzen. Denn das würde wiederum auch ihm Ärger einbringen und den vermied Jin tunlichst.
Hwoarang überquerte das fast leere Gelände und setzte seine Sonnenbrille auf. Er musste sich beeilen wenn er noch pünktlich beim Training aufkreuzen wollte. Keine Zeit noch einmal nach diesem süßen Mädel zu suchen. Das dieser Blödmann einem aber auch immer alles verderben musste. Trotz seines vermeintlichen Sieges war er immer noch sauer. Jin Kazama… warum immer er? Warum immer dieser Kotzbrocken?
Er ging gerade die ersten Stufen zum Parkplatz hinunter, als ihn jemand von hinten an den Haaren zog.
„Raaaaaang!” hörte er eine piepsige Stimme sagen, und als er sich umdrehte stand Ling zwei Stufen über ihm.
„Du hast mit versprochen…”
„Wir beide haben es dir versprochen!” unterbrach er sie sofort. Er wusste worauf sie hinaus wollte. „Wenn dieser Lackaffe sich nicht dran hält, warum sollte ich dann?!” Er wollte weiter gehen, doch sie hielt ihn zurück.
„Was war denn schon wieder los, hm? Hat er sich gerühmt Dich letztens beim Turnier geschlagen zu haben, oder warum musstest du wieder so eine Show abziehen? Ihr benehmt Euch als wärt ihr gerade erst zwölf Jahre alt!”
Das aus dem Mund einer gerade 20jährigen war echt hart, fand Hwoarang, sagte jedoch nichts.
„Ihr habt BEIDE versprochen euch zu vertragen! Zumindest hier!” belehrte sie ihn. „Was auf der Strasse passiert ist mir egal, ich hab aber keine Lust dich von der Schule fliegen zu sehen!”
„Hältst du ihm wenigstens den gleichen Vortrag?” maulte Hwoarang. „Im übrigen hat er mich…”
„… letztens nur geschlagen weil DU hohes Fieber hattest, ich weiß!” führte sie seinen Satz in einem Tonfall fort, der erkennen ließ, wie oft sie diese Erklärung schon gehört hatte. „Ihr seid beide Sturköpfe!”
„Wenn du immer alles besser weißt, dann kannst Du mir vielleicht verraten was er auf einmal dagegen hat, wenn ich mit einem Mädchen unterhalte, hm?” Hwoarang reckte angriffslustig das Kinn. „Du bist doch seine Freundin, warum darf ich mich seiner Meinung nach mit Dir unterhalten, aber mit diesem Mädchen eben nicht?! Erklär mir das! Ich komm ihm schon nicht in die Quere!”
„Was für ein Mädchen?” fragte Ling lauernd. Sie sah ein wenig verwirrt aus und Hwoarang bereute es fast etwas gesagt zu haben. Er wollte der Kleinen nicht weh tun. Er kannte sie nun schon ziemlich lange und wusste wie sehr sie darunter litt, dass ihr Freund Jin und ihr bester Kumpel, nämlich er selbst, nicht miteinander auskamen.
„Ach vergiss es einfach. Ich muss zum Training.”
„Raaaaaaaaang!” beschwerte sie sich. Er hasste diesen Spitznamen. „Nun sag schon! Was für ein Mädchen?”
Er seufzte. „Klein. Schlank. Bildhübsch.”
Ling verdrehte die Augen. „Danke, mehr so nützliche Informationen?”
„Wenn dein idiotischer Freund mich gelassen hätte, dann könnte ich dir jetzt auch Namen und Telefonnummer nennen!” fauchte er wütend. „Aber dank dieses reizenden jungen Mannes kann ich Dir leider nicht mehr sagen, tut mir aufrichtig leid!” Er dreht sich um und ging schnurstracks auf seine Maschine zu. Er würde zu spät kommen. Zum dritten Mal in dieser Woche. Baek würde ihn umbringen.
„Och Mensch, Rang! Jetzt hau nicht ab!” Ling lief ihm hinterher.
„Klär das mit Jin, ich muss los!” Hwoarang stecke den Schlüssel ins Zündschloss seines Motorrads, schwang sich auf den Sitz und startete. Gut das seine Maschine so laut war, so konnte er nicht hören was Ling noch zu ihm sagte. Sie sah ziemlich wütend aus. Er bedeutete ihr durch ein Achselzucken das er sie nicht verstand, grinste frech, rückte die Sonnenbrille gerade und gab Gas. Im Rückspiegel erkannte er noch, wie Ling wütend gegen einen Laternenpfahl trat, dann heizte er mit Vollgas durch die Strassen zu dem kleinen Dojo in dem Baek ihn trainierte. Als Hwoarang endlich ankam stellte er erleichtert fest, dass Baeks Auto nirgendwo zu entdecken war. Eigentlich ungewöhnlich, denn Baek hasste Unpünktlichkeit. Aber ihm konnte es nur recht sein. Er beeilte sich in die Umkleide zu kommen, schloss seinen Spinnt auf, zerrte seinen Dobok hervor, zog sich hastig um und betrat den Trainingsraum.
Es war still wie immer und roch nach Schweiß und Anstrengung. Er ließ die Verbeugung ausfallen und begann sofort den Sandsack zu bearbeiten, der an einer Eisenkette von der Decke hing. Wenn Baek kam, wollte er so aussehen als habe er schon lange auf ihn gewartet. Er übte einige Kombinationen aus schwierigen High-Kicks und stellte sich dabei Jin Kazamas Gesicht vor. Die Tritte saßen perfekt. Immer mitten in Jins imaginäres Gesicht. Er zählte leise mit.
„Hah-Na” - Der Kick ging in Jins selbstgefälliges Grinsen.
„Dool” - Unter sein Kinn.
„Seht” - Von rechts gegen seine Schläfe.
Verbissen übte er weiter. So etwas wie beim letzten Wettkampf durfte nicht noch einmal geschehen. Er würde nie wieder gegen diesen Typ verlieren. Jedes Schimpfwort das ihm für ihn einfiel schien noch zu nett.
Er wechselte die Stellung und bearbeitete den Sandsack mit den Fäusten.
„Yol Yuh Sut” - er schlug Jin in den Magen.
Führte sich auf als würde ihm alles gehören. Nur weil er der Erbe des Mishima-Imperiums sein würde.
„Yol Eel Kohp” – Handkantenschlag gegen den Hals.
So ein Angeber.
Ling fiel ihm ein. Ling Xiaoyu. Er verstand nicht was die Kleine an Jin fand, aber er hatte es aufgegeben ihr in die Beziehung hineinzureden. Hatte eh keinen Zweck. Und im Endeffekt war es ihm auch egal. Er mochte die Kleine, ja. Und würde Jin ihr weh tun, dann könnte er sich auf was gefasst machen! Aber ansonsten war es ihm gleichgültig. Solange sie ihn nicht zwang wirklich nett zu Jin zu sein. Sie hatten sich darauf geeinigt, offene Feindseligkeiten zu unterlassen. Das musste reichen. Hoffentlich machte Ling sich jetzt keine Sorgen das Jin sie betrog. Er hätte das Mädchen ihr gegenüber nicht erwähnen sollen. So sehr er Jin auch hasste, die Kleine sollte nicht darunter leiden.
Aber warum zum Teufel war Jin so entschlossen dazwischen gegangen als er die Unbekannte in ein Gespräch verwickelt hatte? Eigentlich gingen sie sich aus dem Weg seit auch er an die Mishima-Universität gekommen war. Und spätestens ab dem Zeitpunkt als Ling der Schule beitrat, vermieden sie sogar Blickkontakt. Es war tatsächlich das erste Mal seit langem, das Jin ihn außerhalb von Kampfarena oder Strasse runtergeputzt hatte.
Hwoarangs Körper war mittlerweile schweißgetränkt, doch er schlug und trat weiter ununterbrochen gegen den Sandsack. Das Zählen hatte er aufgegeben und wirklich kontrolliert waren seine Attacken auch nicht mehr. Wäre es tatsächlich Jin und nicht nur ein Sportgerät, so wäre sein Gesicht mittlerweile nicht einmal mehr vorhanden dachte er und wünschte sich, es wäre tatsächlich so.
Er atmete tief ein und holte zu einem letzten Schlag aus, der den Sandsack laut gegen die Decke krachen ließ.
Dann setzte er sich auf den Boden, trank aus seiner Wasserflasche und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Baek war noch immer nicht erschienen. Ein Blick zur Uhr verriet ihm, dass sein Meister nun schon eine knappe Stunde überfällig war. Ungeduldig wartete er weiter während er dem Quietschen der Ketten zuhörte, welches ihm verriet, dass sich der Sandsack noch immer nicht von seinem letzten Schlag erholt hatte und dachte weiter voller Hass an Jin.
Das Klingeln des Telephons im Büro unterbrach ihn.
Hwoarang beeilte sich aufzustehen, lief barfuss durch den Flur in den kleinen Raum und nahm den Hörer ab.
„Yo?” meldete er sich.
„Hwoarang?” fragte eine tiefe, eindeutig männliche Stimme, die er zwar kannte, aber nicht einordnen konnte.
„Yo!” bestätigte er.
„Hey Alter, hier ist Paul!” sagte die Stimme am anderen Ende. „Hast du Zeit? Wär wichtig!”
„Hey Paul!” grüßte Hwoarang. „Zeit? Wofür?”
„Nicht am Telephon!” kam die Antwort. „Kannst Du in einer Stunde bei Marshall und Forest im Restaurant sein? Ist echt dringend!”
„Mensch, ich hab Training! Und wenn ich jetzt abhaue und Baek aufkreuzt wenn ich nicht da bin kann ich mich gleich beerdigen!”
„Baek kommt nicht!” antwortete Paul, hörbar bedrückt. „Komm einfach her, okay? Kriegst auch was zu futtern!”
Hwoarang grinste. Paul wusste schon wie er ihn überreden konnte. „Was meinst du mit Baek kommt nicht?” fragte er noch.
„Na, das er nicht kommen wird. Kannste warten bis du schwarz wirst und jetzt mach Dich her!” vernahm er noch, dann hörte er wie am anderen Ende aufgelegt wurde.
Er knallte den Hörer auf die Gabel.
„Toller Tag heute, echt toll!” schimpfte er laut vor sich hin. Erst sah er so einen Traum von Frau, dann vermasselte Jin ihm die Tour und machte ihn vor ihr lächerlich, dann durfte ER sich eine Predigt von Ling anhören, um die der Kotzbrocken wieder herumkommen würde, dann fuhr er umsonst zum Training und wurde auch noch von Paul herumkommandiert. Langsam reichte es wirklich.
Doch was sollte er machen. Baek war nicht da und wenn er Pauls Worten glauben schenkte, dann würde er auch vergeblich auf ihn warten. Vielleicht steckte sein Meister in Schwierigkeiten? Auch wenn er nach Außen hin wohl meist den Anschein machte, als interessierten ihn die Belange anderer recht wenig, so gehörte Baek doch zu den Menschen, für die Hwoarang ohne zu zögern in die Bresche springen würde.
Wiederwillig erhob er sich und ging unter die Dusche.
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