Das Buch der Träume - Kap.1 / Pt.2
30. März 2004, 14:32 von Mi, in Geschichten mitIn einer großräumigen Box, der letzten im Stall, standen tatsächlich zwei fertig gesattelte Tiere, deren Zügel ihr Landor jetzt in die Hand drückte.
“Entschuldige Erin, ich…” begann der alte Stallmeister eine Entschuldigung. Doch Erin legte ihm schlicht die freie Hand auf den Oberarm und schüttelte den Kopf.
“Ist schon gut, ich weiß ja, was für eine Furie sie sein kann… Immerhin hast Du sie es nicht selbst machen lassen!”
Sie hörte Landor noch lachen, als sie bereits die Pferde ins Freie führte. Es stimmte, etwas abstruseres als die Vorstellung, Valrie im Stall mit Zaumzeugen hantieren zu sehen, gab es kaum.
Sie hielt Valrie die Zügel ihrer Stute hin. “Also, dann komm auch, wenn Du es so eilig hast!”
“Ich dachte, Du erklärst es mir erst einmal…”
Erin atmete tief durch. “Also: Dies ist ein Pferd. Das runde niedrige mit den vielen Haaren ist hinten und …”
“ERIN!”
Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. “Was, geliebtes Schwesterherz, möchtest Du denn wissen?”
“Wie ich zum Beispiel in einem Kleid da rauf kommen soll!”
Erin verkniff es sich zu sagen, dass sie da die richtige frug - wer konnte sich erinnern, Erin je in einem Kleid gesehen zu haben? - und führte Valrie erst einmal den Sattel vor, der sich zu einem normalen Sattel darin unterschied, dass er mehrere Haltehölzer aufwies und statt mit zwei Steigbügeln auf jeder Seite ausgestattet zu sein, lediglich eine Art Fußbank auf einer Seite des Tieres enthielt. Sie erklärte ihr, wie sie die Beine über die Hölzer zu legen hatte, damit sie nicht herunterfiel, selbst wenn das Pferd einmal durchgehen sollte, machte es ihr vor und korrigierte schließlich Valries Haltung, als diese es selbst versuchte.
“Achte darauf, dass Du aufrecht sitzt!” Erin drückte Valrie die Hand ins Kreuz. “Es ist der Sinn von diesem Ding, dass Du möglichst elegant aussiehst und…”
Valrie unterbrach.
“Das, meine Liebe, musst Du mir nicht sagen! Eleganz kannst Du mir wohl kaum beibringen!” Das milde herablassende Lächeln auf dem Gesicht der Schwester genügte, um die Hitze, die schon während der vorhergehenden, unzähligen Unterbrechungen und dummen Fragen Valries in Erin aufgekeimt war, weiter zu schüren. Sie war von je her aufbrausend gewesen, aber so sehr sie sich auch bemühte, sie schaffte es nicht, über die kleinen Spitzen gerade dieser Schwester hinwegzusehen.
“Ja, ich bin ein Trampel! Hätten wir das auch erklärt! Können wir weitermachen?”
“Kein Trampel, Liebchen!”
Der sanfte Tonfall machte Erin wahnsinnig.
“Es kann nur leider nicht jeder von natürlicher Eleganz gesegnet sein! Es muss auch burschikose Frauen geben! Gut, die würde zwar kein vernünftiger Fürst oder Prinz…” - die Betonung des Wortes machte Erin sofort klar, dass Valrie auf Derian, ihren besten Freund und Schwarm, den Prinzen aus Glorydenn anspielte und brachte ihr Inneres weiter zum Kochen - “…heiraten, aber…” Valrie machte eine bedeutungsvolle Pause. “Unter den vielen Bauern wird sich sicher jemand finden, der sich Deiner erbarmt!”
Das war einfach zu viel! Erin zerrte Valrie vom Pferd und baute sich ganz dicht vor ihr zu voller Größe auf, was bedeutete, dass sie sie um gut einen Kopf überragte.
“Jetzt hör mir mal zu, du eingebildete Schnepfe! Nur, weil Du es Dir als höchstes Lebensziel gesetzt hast, Ehefrau und Fürstin zu werden, muss das nicht auf alle von uns zutreffen, okay? Und ich habe Dir schon oft genug gesagt, du sollst Derian aus dem Spiel lassen! Das geht dich überhaupt nichts an!”
Wenig eingeschüchtert blickte Valrie auf das, was sich genau vor ihren Augen befand. “Und warum hat er noch nicht um Deine Hand angehalten? Du bist ihm wohl einfach zu flachbrüstig!”
Erin ballte beide Hände zur Faust. Ihr ganzer Körper bebte vor Zorn. ‘Nicht zuschlagen’, hallte es in ihrem Kopf, ‘einfach ignorieren!’ Doch die Wut in ihrem Innern machte sie rasend. Sie spürte förmlich, wie bösartig ihre Augen auf Valrie hinunterblitzten und wusste, noch ein falsches Wort von ihr, und sie würde etwas tun, was man sie bitter bereuen lassen würde. Ihr Kopfschmerz vom Morgen kehrte auf der Stelle zurück. In letzter Zeit passierte es immer häufiger, dass sie vor Wut platze. Sie schaffte es immer seltener, sich unter Kontrolle zu halten und wenn sie sich zurückhielt, dann geschahen meistens Dinge, auf die sie keinen Einfluss hatte, Dinge, die… beängstigend waren.
Erin atmete tief durch und versuchte sich zu beruhigen. Doch als sie merkte, dass jeglicher Versuch nichts nützte, sie allein der Anblick von Valries hämischer Miene zorniger werden ließ, schwang sie sich auf Schneewind, riss die Zügel herum und trieb ihn auf das Burgtor zu. “Dann mach Deinen Mist doch alleine!” rief sie noch und ließ Valrie zurück.
Sie würde dem Biest keinen Grund geben, sich wieder über sie zu beschweren. Denn nichts anderes als das hatte ihr diese Nachhilfestunde beschert, eine kleine Streiterei, nach der ihre Mutter, Thenarosa, entschieden hatte, dass die Mädchen sich sicher besser vertragen würden, wenn sie mehr Zeit miteinander verbrächten. Aber das diese Maßnahme nicht von Erfolg gekrönt werden würde, das hätte Erin ihr vorher sagen können.
Burschikos… pah! Es konnte und musste ja nicht jeder eine solche Modepuppe sein, wie Valrie! Keinen Funken Verstand im Kopf, immer lieb lächelnd, aber hinterrücks über andere schimpfend, ohne dabei auch nur die kleinste Kleinigkeit alleine erledigen zu können.
Erin treib Schneewind weiter an und preschte über einen steinigen Pfad den Berg herunter. Dann schlug sie den Weg in den Wald ein und umging so den Ritt durch Calisann. Eigentlich war es Erin egal, was Valrie sagte. Oder, es sollte ihr egal sein. Doch wann immer ihr Schwesterherz Derian ins Spiel brachte - und das tat sie oft -, sah Erin rot. Vermutlich lag es daran, dass sie sich nicht selten die gleiche Frage stellte. Warum fragte er sie nicht?
Sie kannten einander lange, und Derian gab ihr immer wieder zu verstehen, wie sehr er die Zeit mit ihr genoss, dass er froh war, in ihr eine Freundin zu haben, mit der er all das machen konnte, was er auch mit einem Freund hätte tun können. Dass er keine Frau suchte, wie eben Valrie eine war. Warum also? Lag es wirklich an dem, was Valrie immer wieder betonte? Dass sie zu groß war? Und zu dünn? Obwohl es nicht ganz der Wahrheit entspracht!. Sie mochte groß sein, ja, erreichte sie doch beinahe die Größe ihres Vaters und sah auch sonst ein wenig exotisch aus: Das dunkle Haar hob ihren blassen Teint in den Vordergrund und so oft sie auch die Sonnentage im Freien verbrachte, keine Bräune verirrte sich in ihr Gesicht. Die Augen standen ein wenig zu weit auseinander und gaben ihren Blick manchmal etwas beinahe katzenartiges, was noch durch ihr tiefes grün unterstrichen wurde. Doch so dürr, wie Valrie es häufig darstellte, war Erin nicht. Mochte sie auch nicht Ensas Umfang erreichen oder so weiblich proportioniert sein wie Valrie selbst, war sie dennoch… was machte sie sich überhaupt Gedanken um das Geschwätz ihrer Schwester?!
Zornig brüllte Erin ihren Frust in die Stille des Waldes, worauf Schneewind erschrocken wieherte und zu tänzeln begann. Sie klopfte ihm beruhigend den Hals und verdrängte dann jegliche Erinnerung an den Vorfall und beschloss, den Tag so zu genießen, wie sie es sich nach dem Aufstehen gewünscht hatte; mit einem schönen Ausritt.
Als der Abend nahte und Erin sich ein wenig abreagiert hatte, ritt sie zurück zur Burg.
Im Stall versorgte sie Schneewind und beeilte sich dann in den Speisesaal zu kommen. Es war bereits Essenszeit und ihre Mutter hasste Verspätungen. Diese rümpfte auch sogleich die Nase, als Erin eintrat. “Kannst Du Dich nicht waschen, bevor Du essen kommst? Erin, bitte! Zieh ich um!”
An ihren Augen erkannte man mühelos, dass dies nicht alles war, was Thenarosa zu sagen hatte, doch wortlos verließ Erin den Raum, um wenig später sauberer gekleidet zurückzukehren.
“Hat Du Deiner Schwester nichts zu sagen?” fragte Thenarosa spitz, bevor Erin die Möglichkeit hatte, sich zu setzen.
“Nein.” antwortete sie.
“Nein? Oh, wirklich nicht? Wie wäre es mit einer Entschuldigung?”
“Eine Entschuldigung? Wofür? Dass sie mich beleidigt hat und ich nicht vor ihr auf die Knie gesunken bin und so tue, als sei nichts geschehen?” fuhr sie die Mutter an und fragte sich was Valrie ihr wohl erzählt hatte.
“Erin, bitte…”, versuchte Valon zu beschwichtigen.
“Nein, Valon! Nicht ‘Erin, bitte!’ Es reicht einfach!” Der ganze Zorn, den sie zuvor mühsam hinunterschluckt hatte, brach nun ungebremst an die Oberfläche, wie die Lava aus einem Vulkan. “Gut, wenn unserer Prinzessin eine Entschuldigung verlangt, bitte: Entschuldige, liebste Valrie, dass ich gegangen bin, ehe Du mit Deinen Beschimpfungen fertig warst! Entschuldige, dass ich nicht gewartet habe, bis du mir mein ganzes elendes Dasein vorgehalten hast und dass ich Dich zurückgelassen habe, ohne Dich gründlich auf Deine Hochzeit, Dein höchstes Glück auf Erden, vorbereitet zu haben!”
Erin merkte nicht, wie die Hitze ihr in die Wangen stieg und von ihr ausstrahlte. Sie achtete nicht auf die peinlich berührten Gesichter der Kammerdiener, die hilflos im Raum standen und verzweifelt versuchten so auszusehen, als bekämen sie von alledem nichts mit. Es interessierte sie nicht, dass Ensa und Valdoor sich gegenseitig anstießen und hinter vorgehaltener Hand kicherten, oder Thenarosas Gesichtszüge immer ernster wurden.
Sie hatte keinen Einfluss mehr darauf, was sie sagte oder tat. Ihr Zorn verselbstständigte sich, und schwoll weiter an, je länger sie vor ihrer Familie stand und ihre Schwester anfuhr, die jedoch noch immer unbeeindruckt und mit hochmütiger Meine einfach da saß und sich insgeheim auf das Donnerwetter freute, welches Erin erwartete, wenn sie fertig war.
Doch plötzlich war Erin nicht mehr die einzige, die brüllte: Thenarosa und Ensa, die zu beiden Seiten Valries saßen, sprangen gleichzeitig auf und begannen zu kreischen.
“Valrie!!” Der spitze Ausruf Thenarosas drang in Erins vor Wut vernebelte Gedanken und ließ sie verstummen. Verwirrt sah sie Ensa mit einer Serviette auf die Beine ihrer Schwester einschlagen.
Nun sprang auch Valrie auf und schrie wodurch auch Erin den Grund für dieses Durcheinander erkennen konnte: Der Rock ihrer Schwester brannte! Der dünne Stoff brannte wie Zunder und die Flammen fraßen sich vom Saum immer weiter nach oben Valries Beine hinauf!
Erin stand da wie erstarrt und schaffte es nicht sich zu rühren. Panik ergriff von ihr Besitz. Das durfte nicht sein. Das durfte einfach nicht sein! Das war nichts weiter als ein schlechter Traum! Bald würde sie aufwachen, ganz bestimmt!
Wie durch einen nebligen Schleier beobachtete sie, wie Valdoor geistesgegenwärtig einen Krug mit Wasser ergriff und ihn über Valrie leerte.
Mit Fußtritten auf den Rocksaum, durch Schläge mit Servietten und anderem, mit Wasser und der Hilfe der beiden Kammerdiener gelang es der Familie schließlich, den Brand zu löschen.
Doch von Erin war keine Spur mehr zu entdecken.
Ihr Vater fand sie später im Stall.
“Erin?” fragte er ins Dunkel.
“Ja?” erklang die zögerliche Stimme aus Schneewinds Box.
“Komm her, meine Kleine!” Valons Schritte kamen näher, doch Erin machte keine Anstalten herauszukommen.
“Geht es ihr gut?” wollte sie kleinlaut wissen.
“Ja, mach dir keine Sorgen! Sie ist fuchsteufelswild und flucht wie ein Rohrspatz, aber es geht ihr gut. Sie hat leichte Verbrennungen an den Beinen, aber da sie schon wieder so laut schimpfen kann, gehe ich davon aus, dass alles in Ordnung ist.”
“Gut…” kam die leise Antwort.
“Jetzt komm mal her!”
“Nein… ich… was wenn…” aus der Ecke, in der Valon seine Tochter bereits vermutet hatte, klang leises Schluchzen.
“Du benimmst dich wie ein kleines Kind, weißt Du das? Dabei bist Du schon so groß…”
“Ja, ich bin schon so groß. Und trotzdem behandelt mich jeder als wäre ich ein Kind. Immer nur ‘Erin tu dies nicht’, ‘Erin tu jenes nicht!’ Was kann ich dafür, wenn ich nicht so bin, wie Valrie oder Ensa!”
Erin hörte, wie Valon vorsichtig zu Schneewind in die Box trat und sah ihn im schwachen Leuchten des Lichts, das durch die staubigen Stallfenster von den Fackeln im Hof hereinschien gedankenverloren durch dessen Mähne kraulen.
“Nun…” seine Stimme klang, als wolle er eine Last los werden, etwas, das ihm schon lange auf der Seele gebrannt hatte, doch er brach ab. “Niemand kann etwas dafür, Erin.” sagte er stattdessen schlicht. “Doch wenn Du so wie du bist akzeptiert werden willst, dann… musst du eben auch Valrie akzeptieren wie sie ist.”
“In dem ich mir sagen lasse, wie nutzlos und hässlich ich doch bin?”
“Das ist der Neid, meine Kleine…”
Er hatte nie aufgehört, sie ’seine Kleine’ zu nennen. Es beruhigte Erin auf seltsame Art und Weise, als einziges der allesamt bereits erwachsenen Kinder noch immer die “Kleine” zu sein. Es gab ihr das Gefühl, verstanden zu werden, verstanden und behütet.
“Hast Du noch nie darüber nachgedacht, dass Valrie vielleicht auch gern ein bisschen so sein möchte wie Du? Dass sie so geachtet werden möchte wie Du? Sieh mal… das ganze Personal liebt Dich und nicht nur, weil Du es allein schaffst, Dein Zimmer aufzuräumen. Alle im Dorf lieben Dich, und nicht nur, weil Du den Kindern Geschichtsunterricht gibst. Ich liebe Dich, und das nicht nur weil Du meine Tochter bist und Derian, Derian liebt Dich auch. Und das sicher nicht nur, weil Du das einzige Mädchen bist, das es schafft, ihn im Schwertkampf zu besiegen und er diese Schande nur dadurch herunterspielen kann, Dich als seine Freundin zu bezeichnen!”
Valon lächelte, ließ von Schneewinds Mähne ab, hockte sich zu seiner Tochter in die Ecke und legte einen Arm um sie.
“Aber sieh mal… Valrie hat es nicht so leicht. Dass sie mit den falschen Mitteln versucht, sich Freunde zu machen, nun, das wird sie irgendwann selbst lernen, spätestens wenn sie wirklich heiratet und dann in einem fremden Haushalt das Sagen hat. Sie wird lernen, dass man sie fürchtet, wenn sie sich so verhält, wie sie sich verhält. Aber Du… ja, Du musst gewisse Dinge genauso lernen! Zum Beispiel ein bisschen Zurückhaltung! Du kannst nicht immer Deiner Wut freien Lauf lassen, wenn Dir etwas nicht passt. Das geht einfach nicht!”
Er stockte und fasste Erins Kinn mit der Hand, um sicher zugehen, dass sie ihn wirklich ansah.
“Vor allem Du musst lernen, Dich zu zügeln!” wiederholte er eindringlich. Erins nickte schwach. Es war nicht schwer zu erraten, was er meinte.
“Du musst etwas unternehmen, meine Kleine… Sonst… fürchten sie Dich irgendwann auch!”
“Ich weiß…” Sie ließ den Kopf sinken.
Wieder glitt Valons Blick gedankenverloren in die Ferne. “Weißt Du, dass ich seit Deiner Kindheit auf diesen Tag gewartet habe?”
“Auf welchen Tag?”
“Auf den Tag, an dem Du uns verlassen wirst…” er seufzte. “Ach Erin. Als Kind… Du warst so kein und zerbrechlich. Wir haben jeden Tag Angst gehabt, dass du krank wirst und am Fieber stirbst, doch das ist nie passiert. Als du dann angefangen hast, mit anderen Kindern zu spielen, haben wir gefürchtet, dass Du dir alle Knochen bricht. Du warst so klein, so blass, so zierlich… Und jetzt… sieh dich an… Du bist groß, Du bist stark und doch…”
“Zerbrechlich?” Sie grinste.
Valon lachte und schüttelte den Kopf. “In gewisser Weise, ja… Nur nicht so, wie Du jetzt vielleicht denken magst. Ach, komm her!” er zog sie fester in seinen Arm und drückte sie an sich. “Für mich wirst du vermutlich immer meine kleine Fee bleiben. Mein magisches Wesen, auf dass ich gut acht geben muss, damit es uns niemand wieder wegnimmt.”
Er strich ihr übers Haar. “Doch jetzt muss ich Dich freigeben. Jetzt musst Du zusehen, was Du mit der Magie in Dir machen kannst, mein Kleines. So geht es nicht weiter. Was, wenn wirklich einmal etwas passiert?”
“Ich weiß…” Und obwohl Erin zuvor noch darauf bestanden hatte, kein kleines Kind zu sein, schmiegte sie sich nun wie ein eben solches an die Brust ihres Vaters. Sie wollte nicht fort. Und doch wartete sie schon lange darauf, dass ihr Vater sie wegschickte. Nicht weil sie glaubte, er wolle sie nicht länger bei sich haben. Doch seit sie zum ersten Mal in sein besorgtes Gesicht geblickt hatte, als sie ihm von ihren unheilvollen Träumen erzählte und seit sich die kleinen magischen Katastrophen vermehrt bemerkbar gemacht hatten, seitdem wusste sie, dass dieser Tag irgendwann folgen musste.
“Und? Wirst du gehen?” fragte Valon leise.
“Natürlich…”
“Alleine?”
“Na ja… sicher. Valrie wird kaum freiwillig mitkommen.”
“Ach Kleines…” Er drückte sie erneut. “Und was ist mit Amelia? Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, Dich ganz alleine den weiten Weg gehen zu lassen.”
Erin hob den Kopf. “Amelia? Meinst Du, sie hält das durch?”
“Für Dich… in jedem Fall!”
“Und Valrie?
“Nun, ich nehme an, dass sie Dich jetzt ohnehin von der Gästeliste für ihre Hochzeit gestrichen hat.”
Erin lächelte traurig. “Ach Valon…” Sie reckte ihm die Hände entgegen und ließ sich von ihm auf die Füße ziehen, sobald er sich erhoben hatte. Dann schloss sie ihn fest in die Arme.
Tags: Geschichten, Bücher, Fantasy, Kreativ, Roman, Schreiberei, Träume
Am 20. April 2008 um 10:29 Uhr
[…] Sphere-Hunter-Forum Das Buch der Trume - Kap.1 / Pt.2 […]