Das Geheimnis der großen Schwerter – Tad Williams

Der DrachenbeinthronDas Verhängnis der Schwerter, die Osten-Ard-Tetralogie oder schlicht der Drachenbeinthron. So richtig konnte man sich hierzulande wohl für keinen Serientitel entscheiden, zumindest hat man darauf verzichtet diese vier Bände nach ihrer amerikanischen Vorlage „Memory, Sorrow & Thorn“ zu benennen. Für mich ist es schlicht „Der Drachenbeinthron“ und das wird er wohl auch bleiben.
Durch die Geschichte begleiten wir den Küchenjungen Simon [^^], der auf der Königsburg, dem Hochhorst, lebt und durch einen Zufall den verschollen geglaubten Königsbruder Josua im Gefängnis entdeckt. Er verhilft ihm zur Flucht, worauf er selbst gezwungen wird seine Heimat aufzugeben, und die große Reise namens Leben für ihn beginnt, die aus Simon Mondkalb erst Simon Schneelocke werden lässt und später… aber psst!
Ja, die Handlung klingt einfach und mehrfach bekannt. Trotz vieler [kleiner] Einzigartigkeiten ist sie auch nicht unbedingt neu, aber in ihrer Umsetzung einmalig! Tad Williams schreibt in einer blumigen, poetischen Art und Weise, die ich sonst noch nirgendwo gefunden habe. Er ist unglaublich detailverliebt, streut leise kleine Hinweise, und kurz bevor der aufmerksame Leser sie ad acta legt, spinnt er den Faden weiter. Keine Kleinigkeit ist unwichtig!

Wer auf oberflächliche Action, pausenlos sirrende Klingen oder viel Blut hofft, der wird hier enttäuscht. Küchenjunge Simon stürzt sich nicht plötzlich todesmutig gegen eine Armee von Feinden. Er bleibt lange, lange Zeit der zaudernde Junge, der erst spät seine Tollpatschigkeit verliert. Es gibt keine Überhelden, keine Anti-Helden. Allesamt sind sie normale Lebewesen, die das Beste aus ihrem Schicksal und ihren Möglichkeiten zu machen versuchen und überleben, ihre Welt erhalten wollen. Das Geschehen in Osten Ard entwickelt sich langsam, macht die Welt und ihre Charaktere glaubhaft und beinahe real. Wie habe ich doch mit der unglücklich Meagwin gelitten…! Wie habe ich den roten Priester Pyrates verabscheut! Um Miriamel gefürchtet oder mir gewünscht „Onkel Isgrimnur“ oder den kleinen weisen Troll Binabik einfach umarmen zu können.

Komisch, dass gerade die Lieblingsbücher so schwer zu beschreiben sind. Ich kann nur nochmal sagen, der Drachenbeinthron lebt nicht von seiner Handlung, er lebt von seinen Charakteren und der unglaublich schönen Sprache, die, wenn ich gewissen Personen glauben schenken darf, auch durch die Übersetzung nicht gelitten hat [mir wars auf englisch zu heftig O:) ].
Nie werde ich Simons Irren durch die unterirdischen Gänge der alten Sithi-Burg vergessen. Das Wispern der Vergangenheit, das seit Jahrhunderten leerstehende Zimmer mit dem Bett, dass bei der leisesten Berührung zu Staub zerfällt, obwohl es aussah, als warte es nur auf den nächsten müden Reisenden…

Der Drachenbeinthron schafft, was viel zu wenige Bücher vermögen: Er öffnet die Türen nach Osten Ard weit und lässt den Leser gänzlich eintauchen, miterleben, mitfühlen. Dies wird auch ermöglicht, da Osten Ard merklich nach weltlichen Vorbilden geschaffen wurde: So regiert um den Hochhorst sozusagen das Pendant zum „Christentum“, stammen Isgrimnurs Rimmersgarder von unseren Wikingern ab, haben die Sithi nicht nur sprachlich japanische Wurzeln und das Volk der Hernystiri steht für die Kelten. Tad Williams hilft dem Leser, genau das sehen zu lassen, was er sehen lassen möchte. Und wer die Augen und vorallem das Herz nicht verschließt, der wird ebenfalls sehen können…

Die Reihe besteht aus vier Bänden: Der Drachenbeinthron, Der Abscheidsstein, Die Nornenkönigin, Der Engelsturm.

Mein Fazit:
Der Drachenbeinthron, wie die Reihe für mich heißt, hat sich vor vielen Jahren in mein Herz eingebrannt, hat mich in vielen Dingen geprägt und wird mich wohl Zeit meines Lebens nicht mehr loslassen. Ich war nie wieder so traurig, nachdem ein Buch zuende war, habe nie wieder etwas Vergleichbares in den Händen gehalten.
Ja, die ersten… vielen Seiten sind – beim ersten Lesen zumindest – anstrengend und vielleicht auch langatmig. Aber wer sich darauf einlassen kann, der wird reichlich entschädigt!
Und ich bin wirklich neidisch: Ich wünschte, ich könnte so wunderschön [be]schreiben, wie Tad Williams!

5 Responses to Das Geheimnis der großen Schwerter – Tad Williams

  1. Lilienfeuer sagt:

    Ich muss sagen, alle Bücher, die du hier in den letzten Tagen vorstellst, machen mich sehr neugierig. Vielleicht sollte ich tatsächlich mal meine Bibliotheksmitgliedschaft reaktivieren… Und das mit dem Traurig sein, dass eine Buchreihe vorbei ist, kenn ich auch. Hatte ich vor allem bei Harry Potter, auch wenn mich bei den Büchern einiges stört, so ist die Welt, in die man da gelangt, so groß und wundervoll, dass man eigentlich gar nicht zurück will. So ging es mir zumindest 😉

  2. Mi sagt:

    Och bei Harry Potter war ich beinahe froh, als es zuende war. Ich halte nicht sooviel davon wenn ein Ende immer mehr und mehr herausgezögert wird. Das Ende war abzusehen, es kam und gut. ^^ Aber die Welt war wirklich toll, das stimmt! Aber … absolut nicht hiermit zu vergleichen…!

  3. glastisch mann sagt:

    Hi
    in deinem Blog werden bei mir sämtliche Umlaute als komische Zeichen dargestellt.
    Anstatt einem o mit Pünktchen steht nur so was da wie “ö”…
    Ist da was mit deiner Zeichensatzcodierung im Blog durcheinander gekommen,
    oder liegt das eventuell an meinem Rechner?
    tschau

  4. Mi sagt:

    Sollte an Deinem Rechner liegen, der Blog hatte das Problem zwar mal, da lags an einer neuen php Version des Servers, aber das wurde behoben… ^^

  5. […] Fortsetzung zum Drachenbeinthron? Muss ich haben! Es entpuppte sich jedoch nicht als Fortsetzung, sondern als etwa tausend Jahre […]

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