Marie von Käfer

16. Oktober 2008

Bei Sari bin ich über die Blogparade “Mein erstes Auto” gestolpert. Da muss ich einfach mitmachen, weil ich mein erstes Auto sooo geliebt habe, und ihm oft hinterhertrauere…

Marie von Käfer

Wider aller Vernunft habe ich mir damals einen alten VW Käfer gekauft. 1997 wars, in den Sommerferien nach meinem Abi, rechtzeitig vor Ausbildungsbeginn. Marsrot, tiefergelegt, Sportfahrwerk, Breitreifen, Mini-Lenkrad… Eigentlich mochte und mag ich sowas ja nicht, aber den Käfer ließ es einfach nur knubbelig aussehen, nicht prollig.

Gleich bei der Probefahrt hätten wir fast einen Unfall gebaut, wären in einer plötzlich sehr steil werdenden Kurve beinahe mit einem Krankenwagen zusammengestoßen. Der Tacho des VW war nämlich nicht angeschlossen und wir hatten kein Gefühl fürs Tempo. Außerdem waren zwar die breitem Reifen und das kleine Lenkrad eingebaut worden, aber das Spureinstellen war wohl nicht so wichtig gewesen… Jedenfalls war das Lenkrad am Anschlag, doch der kleine Käfer hüpfte immer weiter nach außen, Richtung Gegenspur… Naja.. nichts passiert. ^^’
Ich wollte den Wagen. Natürlich.

Marie von Käfer

5 Jahre bin ich Marie gefahren. 5 Jahre, in denen ich viel [zu viel] Geld in den Käfer gesteckt habe. Das Sportfahrwerk war einfach nichts für so ein altes Auto. Zu hart. Plötzlich gabs Risse im Unterboden, alles musste ausgetauscht werden. Puuh. Bitter für ein mageres Ausbildungsgehalt.
Die Beleuchtung ging kaputt. Gruselige Fahrt war das, nachts durch eine unbeleuchtete Waldstrecke. Das einzige was ich machen konnte war, den Fernlichthebel gezogen zu halten. Keine andere Lampe funktionierte mehr.
Der Bremszug rostete, so dass ich das Pedal immer mit dem Fuß wieder hochziehen musste.
Wie oft nach einem Regenguss hatte sich Wasser im Innenraum gesammelt, das beim Bremsen nach vorn schwappte….?
Ein Endrohr vom Auspuff flog ab, so dass jeder im Umkreis von 5 Kilometern wusste, wann ich nachts nach Hause kam…

Und trotzdem… ich liebte dieses Auto. Marie. Marie von Käfer. Eigentlich wollte ich sie mit einem schwarzes Streifen und Marienkäferpunkten versehen. Warum ichs nicht gemacht habe? Keine Ahnung. Wohl, weil ich mir das Gespött des Freundeskreises ersparen wollte, die schon oft genug über den Namen und das Innenleben von Marie gelästert haben… Es wohnten nämlich auf dem Rücksitz Unmengen an Marienkäfer-Stofftieren. Vorne klebten überall kleine Mini-Käfer… Ja, albern, typisch Mädchen. Dabei war ich nie “Typisch Mädchen”. Ich fands trotzdem toll. Der Wagen war einzigartig. Hatte Charakter.

Marie von Käfer

Klar, meine Heizung war im Winter erst warm, wenn ich in der Arbeit ankam.
Klar, musste ich außen und innen Eis-Kratzen.
Mehr als einmal war die Tür am Rahmen festgefrohren und ich kam nicht ins Auto.
Klar gabs keine Servolenkung, was wegen der engen Spur manch steile Kurve für mich unbefahrbar machte, und das Einparken erschwerte.
Es gab auch keine Zentralverriegelung. Und wie oft habe ich Dummchen den Schlüssel stecken lassen und musste erst mein Klappfenster unter mithilfe eines eigens dafür immer griffbereiten langen Schraubenziehers aufbrechen, um wieder ins Auto zu können…?

Dafür war mir im Winter kein Berg zu steil. Schlingerte die Kiste auch hin und her, oben an kam man immer.
Dafür war ich stolz wie Oskar, als mein Käferlein den Geist aufgab, und ich ganz allein feststellen konnte, dass es an der Benzinpumpe lag, und ich sie ohne Hilfe selbst austauschen konnte… Hachja…
Und dann war da noch der eigens für mich angefertigte “Elli Pirelli” Aufkleber von C. auf der Nummernschildbeleuchtung… Irgendwo habe ich auch noch ein Photo vom Blitzer, als wir in einer 70 Zone vollbesetzt den Berg hochgejagt sind. Als ob dem Wagen das irgendwer zugetraut hätte…

Marie von Käfer

Leider habe ich kein altes Bild mehr von ihr. So wie sie die meiste Zeit war. Tiefer, mit ihrem tollen Kennzeichen. A. müsste Bilder davon haben, aber mit ihm habe ich keinen Kontakt mehr. Ich habe nur noch die Photos, die als Erinnerung gemacht wurden, kurz bevor ich Marie abgegeben habe.

Einen schwarzen neuen Polo hatte ich danach. Brauchte ich, für die Fahrten nach Berlin. Mit dem Käfer regelmäßig 1000km am Wochenende… das habe ich nicht ein einziges Mal gewagt…

Lange stand Marie nur herum. Rostete vor sich hin. Man unterstellte mir Faulheit, weil ich keinen Käufer suchte. Aber eigentlich wollte ich sie tief im Herzen gar nicht abgeben… hoffte, irgendwann das Geld zu haben, ihre vielen kleinen Wehwehchen mehr als nur provisorisch reparieren zu können.
Tja… meine Marie…

Marie von Käfer

Ich würde mir jederzeit wieder einen Käfer kaufen. Aber nur noch als Hobby. Wenn ein Alltagsauto zusätzlich vorhanden wäre. Und wenn genug Geld für die Instandhaltung da wäre. Klar, viel kann man selber machen, aber eben nicht alles… Ich zumindest nicht.
Aber ich wünschte oft, ich hätte sie nie hergegeben.

Marie von Käfer





 

5 Antworten zu “Marie von Käfer”

  1. süss! ^^

    ah, jetzt wollen die kommentare wieder! – schön! :D

  2. Mi sagt:

    Nachdem Du kommentiert hattest nicht mehr… Ich glaub wirklich bald, es liegt an Dir… *grübel* Der Längsstrich im Namen vielleicht? |

  3. -christian sagt:

    Hach, ich habe meinen diesen Sommer verkauft. Einfach keine Zeit mehr zum schrauben. Aber er ist in guten Händen, der kleine Brummer. Und nun auch mit H-Kennzeichen. Ein schönes Auto!

  4. gingetsu sagt:

    *seufz*
    Erinnert mich schmerzlich an meinen kleinen ‘Grummel Goldkleid’. Nach dem Totalschaden sollte er wohl nach Afrika verschifft werden. Wär schön, wenn er da immer noch irgendwo über die Strassen holpert…

  5. [...] 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19 Hoffentlich habe ich keinen vergessen. Ich finde das ist schon eine beeindruckende [...]

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